Jason verführt München

von Redaktion

Alles neu und doch der Alte: US-Superstar Derulo bittet in der ausverkauften Olympiahalle zum letzten Tanz

Das eigentliche Spektakel spielt sich schon vor dem Konzert ab, am Osteingang der Olympiahalle. Hunderte Fans warten am Donnerstagabend brav in einer langen Schlange, als Jason Derulo und zwei Dutzend Tänzer vor der Halle auftauchen. Rasch bildet sich eine kleine Traube um die Gruppe, der Sänger schüttelt Hände, nimmt Fans in den Arm. Dann lässt er sich gut ausgeleuchtet von seinem Team bei einer kurzen Tanzeinlage filmen. Scheinbar unbemerkt vom Rest der wartenden Konzertbesucher gibt der Amerikaner einen Vorgeschmack auf das, was an diesem Abend geboten sein wird: viel nackte Haut und sehr bewegliche Körper.

Tatsächlich bittet Derulo bei seinem ausverkauften Auftritt in München zum letzten Tanz. Wobei man den Titel der „The Last Dance Worldtour“ nicht wörtlich zu nehmen braucht: Ans Aufhören denkt der 36-Jährige ganz offensichtlich nicht. „Es ist das Ende des Jason, den ihr kennt“, sagt er bedeutungsvoll zur Begrüßung, während er sich den Schweiß der ersten drei Songs vom Gesicht tupft. Nicht weniger als der Beginn einer neuen Ära. „Danke, dass ihr diesen Abend mit mir verbringt!“

Tatsächlich macht der neue Jason manches ein bisschen anders. Normalerweise entblättert sich der 36-Jährige erst im Lauf eines Konzertabends. Den Moment, wenn Derulo oberkörperfrei auf der Bühne steht, sehnen die weiblichen Fans meist ein halbes Konzert lang herbei. In München zeigt er seinen gestählten Körper schon beim ersten Song „Sexy for me“. Und zieht sich erst mal wieder an: Leoprint-Mantel zur Leder-Baggy, Muskelshirt zur schmal geschnittenen Hose, sogar einen klassischen Anzug führt er zu „Spicy Margarita“ aus. Nacktheit bleibt trotzdem ein Stilmittel, Verführung das zentrale Thema. Tänzerinnen räkeln sich in einem Hauch von Nichts, wackeln nicht nur zu „Wiggle“ mit den unbedeckten Hinterteilen. Ihre männlichen Kollegen, die die erste Konzerthälfte in schwerer Lederkluft tanzen, entledigen sich spätestens zu „The Other Side“ ihrer Oberteile und feuern lasziv mit Nebelkanonen ins Publikum. Derweil geht Jason Derulo auf Tuchfühlung mit den Besuchern in der Arena.

Überhaupt, das Tanzen. Derulo und seine Tänzerinnen und Tänzer zeigen Beeindruckendes auf der Bühne, die mal Labor, mal Stripclub, mal Dschungellandschaft wird. In Kombination ist das definitiv was fürs Auge. Die Ohren bekommen derweil etwas mehr Playback zu hören, was wohl den schweißtreibenden Tanzroutinen geschuldet ist. Gut, dass Derulo trotzdem jede Gelegenheit nutzt, seinen großen Stimmumfang zu zeigen. Und natürlich alle Hits seiner bisherigen an Hits nicht gerade armen Karriere: von „Watcha Say“ über „Swalla“ führt die Reise zu „Talk Dirty“ und dem Finale mit „Want to want me“.

Dazwischen lässt er die Fans singen: „It‘s your turn to sing“ steht auf den Schildern, die zwei Tänzerinnen hochhalten, Ihr seid dran! Die vornehmlich weiblichen Besucher tun wie ihnen aufgetragen: „Airplanes“ von B.o.B. und „Get Lucky“ von Daft Punk führen zu „Savage Love“, das Derulo dann auch in aller Ausführlichkeit und auch Schönheit zelebriert. Und mit freiem Oberkörper beendet. Ganz weg ist der „alte“ Jason eben doch nicht. Und das ist schon gut so.KATHRIN BRACK

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