Nehmen Sie doch Platz

von Redaktion

„STAY – Textile Sitzobjekte“ in der Pinakothek der Moderne

„Lametta“ heißt dieses Objekt von Indira Marukić. © FRINZEL

Endlich mal ein Hocker mit richtig guter Federung! Denn sein weißes Woll-Polster sitzt auf einer orangefarbenen Sprungfeder auf, die von einem Schaukeltier auf dem Spielplatz stammt. Wer also einen sitzen hat, sitzt hier goldrichtig, denn das Gefühl, die Umgebung schwanke, kann er nun leicht darauf schieben, dass bloß der Sitz ein wenig schaukelt. Und weil dessen Stahlfeder zwölf Kilo schwer ist, hat die erdbebensichere Sitzgelegenheit auch einen stabilen Stand. Das versichert zumindest Felix Leiffer, der das Möbel entworfen und gebaut hat. Er ist einer von zehn Studenten und Studentinnen, die an der Kunsthochschule Kassel von der bekannten Münchner Designerin Ayzit Bostan unterrichtet werden und an einem Projekt teilnahmen, bei dem die Nachwuchsdesigner Sitzgelegenheiten verschiedenster Art gestalten sollten.

Zu bewundern sind die Ergebnisse jetzt unter dem Titel „STAY – Textile Sitzobjekte“ im Schaudepot der Neuen Sammlung, dem Designmuseum in der Pinakothek der Moderne (in dem es seltsamerweise keine Sitzgelegenheiten für Besucher gibt). Auffällig scheint jedenfalls, dass viele Werke der jungen Leute weniger eine Neigung zum repräsentativen Sitzen verraten, sondern einen sympathischen Hang zum entspannten Rumfläzen: Carolina Moisei etwa hat ein rundes und ein quadratisches Stoffteil zu einem rötlichen Riesenkissen zusammengenäht, das mit Styroporkugeln gefüllt ist – und dazu einlädt, sich reinfallen zu lassen wie ins Bällebad. Leider ist das in der Ausstellung aus Sicherheits- und Haftungsgründen nicht möglich…

Und zu gern würde man auch das praktische Knautschsofa „PÄRLE“ von Zoë Debik ausprobieren. Sie hat knuffige Kissen unterschiedlicher Größe, Form und Farbe wie Perlen auf ein dünnes Stahlseil gefädelt, so dass man sie sich nach Bedarf und Gusto zurechtschieben kann. Und beim Umzug wirft man sich das Ding einfach auf den Rücken, wie früher der Müller den Mehlsack. Für solche Ortswechsel ist auch Silas Voglers Modulsofa mit dem bezeichnenden Namen „TRANSIT“ wie gemacht. Denn durch entsprechende illusionistische Stoffüberzüge mit Griffen sehen die einzelnen Elemente wie Reisetaschen und Koffer aus. Genau das richtige Mobiliar also für eine flexible, motivierte und kosmopolitische Generation, die nicht an einen Standort gebunden ist, sondern weiß: Erfolgreich rumfläzen kann man überall auf dem Globus. Hauptsache, man ist dabei gut abgefedert.ALEXANDER ALTMANN

Bis 29. März,

täglich außer Montag 10 bis
18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

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