Tricks im Stadionrock-Format: Die Ehrlich Brothers verbiegen Eisenbahnschienen in Uri-Geller-Manier zu einem Herz. © Fotos: Martin Hangen
Popstars unter den Illusionisten: Chris (l.) und Andreas Ehrlich mit Diamanten-Monstertruck.
Die Ehrlich Brothers fesseln ihr Publikum nicht nur. Sie nehmen es sozusagen in Zauber-Haft. Wie das funktioniert, ließ sich am Wochenende in gleich fünf Vorstellungen in der Münchner Olympiahalle bestaunen. Obwohl viele der Tricks ihres Best-of-Programms „Diamonds“ altbewährt sind, reibt man sich immer wieder verblüfft die Augen. Wie kann das sein, dass Chris Ehrlich – optisch der Tokio-Hotel-Bill ohne anstrengende Schwägerin – gerade noch auf der Bühne zaubert und Sekunden später vom anderen Ende der Halle grüßt? Das ist doch nicht ehrlich? Mag sein, aber es sind die Ehrlichs. Zauberkunst und Illusionen auf Weltniveau, Made in Germany. Wie Siegfried und Roy – aber vegan, ohne Tiger.
Seit zwölf Jahren verhexen Andreas Ehrlich (48, der Bodenständige) und Bruder Chris (44, der mit der unterhaltsamen Frisur) ihre kleinen und großen Zauberfans mit Liveshows. „Diamonds“ soll die Diamanten von 2014 bis 2024 neu aufpolieren. Und selbst Fans, die das trickreiche Spektakel schon mehrfach erlebt haben, dürfen sich wundern, wie immer wieder neue Details dazukommen.
Da schweben die Zuckerl aus der Riesenbonbonkugelkanone an Fallschirmen von der Hallendecke. Und wie das Quad-Motorrad von der Bühne mitten in die Arena gerät, als hätte es Scotty höchstpersönlich von der Enterprise auf den Planeten Erde gebeamt – man wird es nie kapieren. Damit das so bleibt, geben sich die detailversessenen „Herrlich Brothers“ mit ihrem 150-köpfigen Team unendlich viel Mühe. Von wegen fauler Zauber. Das gilt auch für ihren sympathischen Umgang mit den Fans: In der Pause bleiben sie einfach für Selfies auf der Bühne.
Das mit der Mühe gilt übrigens auch fürs Geldverdienen. Denn auch hier sind sie die Popstars unter den Magiern. Thermosflaschen, Wackelkopffiguren, Bettwäsche, Zauberkästen und magische Schirme, die bei Regen ihre Farbe verändern – es gibt nichts an Schnickschnack, das es bei den Ehrlichs nicht gibt. Wer das Zaubern in Deutschland so perfekt zum Geschäftsmodell veredelt hat, muss nicht unbedingt nach Las Vegas.
Wobei: Erste Gehversuche haben die beiden dort 2025 schon unternommen. Da haben sicherlich auch die Amerikaner gestaunt – über die Todeskreissägen, die Chris Ehrlich beinahe zerhäckseln, oder über eiserne Bahnschienen, die die beiden als Uri-Geller-Brothers zu einem Herz verbiegen. Clever ist das schon gemacht: Eigentlich gibt es in den zwei Stunden nur sechs, sieben XXL-Tricks, gewissermaßen mit Stadionrock-Format.
Der Rest besteht aus jeder Menge Schmäh, wenn sich die beiden gegenseitig hochnehmen (diese Frisur!) – und vor allem aus kleinen, feinen Nummern aus ihrem Magie-Kochstudio. Wenn sich eine Papierblume in eine echte Rose verwandelt, oder wenn aus einem Zeichenblock eine riesige Wassermelone kullert – dann macht das oft sogar noch mehr Freude als das Funken sprühende Monstertruck-Spektakel.
Am Ende schweben die Ehrlichs (die eigentlich ganz unglamourös Reinelt heißen) als menschliche Schmetterlinge über den Bühnenhimmel. Und man mag sich denken: Ha, endlich, jetzt haben wir euch erwischt! Natürlich hängt ihr an unsichtbaren Schnüren! Doch der Test mit dem Reifen beweist: Da sind keine Schnüre. Oder vielleicht doch? Die Tricks bleiben Geschäftsgeheimnis, nur das bewahrt die Magie. Offen und Ehrlich? Hier wär’s fatal!JÖRG HEINRICH