„TATORT“-KRITIK

Die Luft ist raus

von Redaktion

Dem neuen Fall aus Ludwigshafen fehlt es an Originalität und Tempo

In Minute drei muss man sich das erste Mal ärgern. Da stürmt ein aufgebrachter junger Mann, Fahrradkurier, ins Polizeipräsidium. Einfach so, vorbei an keinem Pförtner oder irgendjemandem, der ihn nach dem Grund seines Besuchs fragen würde. Nein, es geht mitten rein ins Büro des Polizeidirektors, dessen Rückkehr aufs Revier hier mehr oder weniger gefeiert wird. Wer beim „Tatort“ Wert legt auf wenigstens einen Hauch von Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe, der schlägt bei dieser Szene, die am Beginn der neuen Folge aus Ludwigshafen steht (Titel: „Sashimi spezial“), die Hände über dem Kopf zusammen.

Der Kerl, der da so ungestüm und verzweifelt zur Polizei rennt, will Anzeige erstatten gegen sich selbst. Während Kommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter) ihn auf den nächsten Tag vertröstet („nicht zuständig“), überlegt Marc Weinert, so sein Name, es sich scheinbar spontan anders und verlässt das Gebäude so schnell wieder, wie er es betreten hat. Er steigt auf sein Rad, wird angefahren und stirbt noch an Ort und Stelle.

Weil sowohl ein Tablet als auch die Helmkamera des Kurierfahrers verschwunden sind, steht bald fest: Ein Unfall war das nicht, hier hat jemand mit Vorsatz gehandelt. Stern fühlt sich verantwortlich für den Tod des Mannes und schleust sich in einer hanebüchenen Aktion in die Kurierdienst-Truppe der Velopunks ein, der auch das Opfer angehörte, und überrascht damit sogar Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Hände und Kopf, siehe oben.

Im Lauf der 90 Minuten strampelt sich die eine Kommissarin (Stern) nun also buchstäblich ab, um Weinerts Tod aufzuklären und „flirtet dabei mit dem Verbotenen“, wie es die Regisseurin Franziska Margarete Hoenisch in einem Gespräch formuliert hat. Die andere (Odenthal) deckt den Undercover-Einsatz ihrer Kollegin und muss ihn vor dem Chef (Bernd Hölscher) geheim halten, der noch eine ganz besondere Rolle in dieser Story spielen wird.

Leider gelingt es dem Krimi nicht, das Tempo zu entwickeln, mit dem die Kuriere durch die Straßen hetzen. Die Dialoge (Buch: Stefan Dähnert) sind hölzern, das Spiel fast aller Beteiligten bleibt bemüht. Robert Stadlober als zwielichtiger Firmenchef mag da noch als Highlight durchgehen, Antje Traue wird auch manche in ihren Bann ziehen. Insgesamt hat man allerdings den Eindruck, dass in Ludwigshafen langsam die Luft raus ist und die Fälle so herumeiern wie ein Fahrrad mit Platten.STEFANIE THYSSEN

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