Party mit dem Groove-Gigolo

von Redaktion

Auf „The Romantic“ tut Bruno Mars, was er am besten kann: die Popos wackeln lassen

Er bringt uns zum Tanzen: Popstar Bruno Mars. © John V. Esparza

Auch wenn Bruno Mars seit zehn Jahren kein eigenes Album mehr veröffentlicht hat – eine Vermisstenanzeige musste man nicht aufgeben, um was von ihm zu hören. Er veredelte Hits der Kolleginnen und Kollegen Gucci Mane und Cardi B, tat sich 2021 mit Anderson.Paak für das Projekt Silk Sonic zusammen – eine wunderbare Hommage an den buttrigen Philly-Soul der Siebziger – half zuletzt Lady Gaga („Die with a Smile“) und Rosé („APT.“) aus. Der Mann aus Honolulu lässt die Popos wackeln, auch wenn er nicht selbst im Rampenlicht steht.

Die Zeit im Halbschatten ist jetzt ohnehin vorbei, wo „The Romantic“ erschienen ist. Es war schon eine Show im wahrsten Sinne, ihn neulich die Grammy-Verleihung eröffnen zu sehen. Mars performte seine erste neue Single, „I just might“, mit rotem Stirnband und elfköpfiger Band vor einem riesigen Herz. Auf Platte spielt er jedes Instrument selbst, der Song gehört tatsächlich zu den Glanzpunkten des Albums. One, two, three, eine Conga, ein „Dududu“-Singsang, der die Tonleiter heruntertrippelt wie einst Dieter Thomas Heck die Showtreppe. Old-School-Funk, der auf der Abi- und der Silberhochzeitsfeier gleichermaßen funktioniert, wenig Substanz, viel Tanz und a bissl was geht immer: Mr. DJ, spiel was für diese hübsche kleine Lady da!

Erst mal wird die Lady aber angeschmachtet – der Eröffnungssong „Risk it all“ macht dem Albumtitel „The Romantic“ alle Ehre. Die Nylonsaiten schnarren in vermindertem Moll, Mariachi-Bläser tuten heldenhaft-dramatisch wie frisch verwitwete Toreros aus Tijuana, Mars barmt im schönsten Michael-Jackson-Falsett. Er würde alles tun für sie: den Mond vom Himmel holen, Berge erklimmen, das ganze Programm.

Stilistisch ist der Claim damit abgesteckt, viel Neues findet sich nicht, von wegen „Risk it all“. Aber Risiko will ja auch keiner von Bruno Mars. „I feel like dancin‘, little Mama you turn me on“ lautet die Devise, die der 41-Jährige in „Cha Cha Cha“ zu lässigem Groove ausgibt. Natürlich muss man in der Stimmung sein für diese Art notorisch sorgloser Junggesellinnenabschiedsmusik, und die Texte sind überwiegend von der Stange. Aber Mars stellt die Stimmung alter Pop-Soul-Klassiker derart gekonnt nach, dass man ihm nicht böse sein kann. Und ein Kompliment wie „God was showing off“ – Gott hat angegeben, als er dich erschaffen hat – ist doch nun wirklich nicht ohne, zumal es eingebettet ist in schönste Delfonics-Harmonien. Da kann man auch ignorieren, dass der alte Aufreißer eine Tequila-Fahne hat und im Disco-Funk „On my Soul“ schon einer anderen versprochen hat, dass er sie lieben wird, wie sie noch keiner geliebt hat.

Nach schon neun Songs werden die Stühle hochgestellt, die Party ist vorbei und Bruno Mars bittet uns mit dem Schieber „Dance with me“ zur Tür. Der Groove-Gigolo hat uns leicht, aber locker unterhalten mit seinem neusten weltweiten Nummer-eins-Album. Bis zum nächsten Schwof braucht er nicht wieder zehn Jahre zu warten.JOHANNES LÖHR

Bruno Mars:

„The Romantic“ (Warner Music).

Artikel 6 von 11