Schluss mit dem Streit

von Redaktion

Das Buchheim Museum in Bernried bekommt eine neue Führungsspitze

Die neue Führungsriege im Buchheim-Museum: (v. li.) Direktor Stephan Dahme, seine Stellvertreterin Rajka Knipper, Michael Mihatsch, Vorstandschef der Buchheim-Stiftung, und Stiftungsvorstand Roland Schwab. © Freia Oliv

Doppelter Führungswechsel beim Buchheim Museum in Bernried: Stephan Dahme übernimmt ab sofort als neuer Direktor des Hauses das Zepter, zugleich stellte sich Michael Mihatsch als neuer Vorstandsvorsitzender der Buchheim Stiftung vor. Mit dieser Neuausrichtung zieht die Institution einen Schlussstrich unter jahrelange Streitigkeiten mit dem ehemaligen Direktor Daniel J. Schreiber, die im Dezember mit einem gerichtlichen Vergleich endeten. Jetzt gilt der Blick voraus einem spannenden Jahr: Sowohl das 25-jährige Museumsjubiläum als auch die Fertigstellung des Erweiterungsbaus sollen heuer gefeiert werden.

„Ich habe immer damit geliebäugelt, nach Bayern zurückzukommen“, freut sich Stephan Dahme. Der gebürtige Potsdamer promovierte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und entwickelte während seines Studiums „eine hohe Affinität und Sympathie zu Bayern“. Die letzten 15 Jahre führte ihn seine Karriere jedoch nach Ostdeutschland: Sechs Jahre lang war er als Kustos für die Grafik und Fotografie des Bauhauses, der Moderne und der Gegenwart der Klassik-Sammlung Weimar tätig. Davor hatte er in Elternzeitvertretung das Museum Gunzenhauser der Kunstsammlungen Chemnitz geleitet und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gearbeitet. „Die Buchheim- und Brücke-DNA bringe ich aus diesen drei Stätten mit“, empfiehlt sich Dahme. Buchheim hatte seine Wurzeln in Weimar und Chemnitz und dort auch die Künstler der Brücke-Gemeinschaft als Keimzelle des Expressionismus schätzen gelernt. Dass der Sammler Alfred Gunzenhauser ebenfalls gerne in Bayern seine Sammlung untergebracht hätte, ist ein pikanter Anknüpfungspunkt.

In Bernried will Dahme das Profil des Hauses schärfen und den „Dreiklang aus Architektur, Landschaft und Kunst“ betonen. Gleichzeitig möchte er die „Erlebnisqualität“ steigern: Erholung, Bildung und ästhetischer Genuss stehen im Vordergrund, wobei die Betonung durchaus auf der Bildung liegt. Ausgangspunkt sei immer ein ästhetischer Zugang, ihm schwebt eine „Schule des Sehens“ vor. Inhaltlich wird ein Fokus bei Buchheim liegen und Sammlerpersönlichkeiten „zwischen Kunst und Obsession“. Bezüglich des Schwerpunktes Expressionismus soll sich Bernried in Kooperation mit anderen Häusern zu einem „Kompetenzzentrum“ entwickeln und auch die Themen erweitern, beispielsweise hin zur französischen Moderne. Auch bei seinem dritten großen Anliegen baut Dahme auf Vorhandenes im kunstpädagogischen „Labor der Fantasie“ auf: Die Besucher sollen selbst im Museum kreativ werden.

Zusammengefasst erweist sich Dahme damit als jemand, der das Museum behutsam weiterentwickeln möchte. „Ich bin kein Freund davon, fertige Konzepte überzustülpen. Ich muss erst ein Gespür für das Haus und die Mitarbeiter bekommen.“ Einen ersten Einblick in seine Ideen gibt er mit der Ausstellung „Aufruhr der Farben. Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der ,Brücke‘“ ab 23. Mai, eine Teamarbeit.

Die Stiftung setzt damit klar auf einen Teamplayer. Nachdem sich der bisherige Vorsitzende Walter Schön in den Stiftungsrat zurückgezogen hat sowie die CSU-Granden Edmund Stoiber und Kurt Faltlhauser im Ruhestand sind, leitet die Geschicke auch hier ein neuer Fachmann: Michael Mihatsch ist in leitenden Funktionen im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie als Vorsitzender des Hochschulausschusses der Kultusministerkonferenz tätig.FREIA OLIV

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