Es ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Sylt herrscht Umbruchstimmung. Doch der Aufbruch will nicht eintreten, zu festgefahren sind die Strukturen der Inselbewohner. Auf dem Hof von Helmas Nazi-Vater wird ein ostpreußischer Flüchtling aufgenommen, und ebenso wie ihre eigene früh verstorbene Mutter erwähnt auch niemand mehr die von Helmas Freund Rudi. Geheimnisse, die keiner sehen oder gar ansprechen will. Bis Helma Jahrzehnte später zu wühlen beginnt. Der jetzt im Taschenbuch erschienene Erstlingsroman von Silke von Bremen benötigt etwas Zeit, bis er greift. Doch zeichnet sie von Anfang an stark die Melancholie und Stürme der Insel und deren Bewohner nach, übt Kritik an der Gesellschaft und am beginnenden Ausverkauf der Grundstücke. Ähnlich mannigfaltig sind die Charaktere, die sie anhand von Zeitsprüngen gut entwickelt. Wobei noch so manch gezogener Vergleich holprig oder gar pietätlos erscheint.AMA
Silke von Bremen:
„Stumme Zeit“. Dörlemann,
Taschenbuch, 400 Seiten; 15 Euro.
★★★★☆ Lesenswert