Gastdirigent Alain Altinoglu ist seit 2021 Chef des hr-Sinfonieorchesters. © Astrid Ackermann
Mit einem ungewöhnlichen Programm lockten das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und sein Gastdirigent Alain Altinoglu in den Herkulessaal. Dabei machten sie sich mit Arthur Honeggers „Pacific 231“ auf die Reise. Hörbar, denn in diesem einsätzigen symphonischen Werk frönt der Schweizer Komponist seiner Eisenbahn-Leidenschaft. Er lässt die in den Zwanzigerjahren berühmte Dampflok „Pacific“ langsam schnaufend anlaufen, auf Hochtouren kommen und nach rasanter Fahrt wieder abbremsen.
Der Rhythmus steht – selbst bei den Streichern – im Mittelpunkt. Nicht das Tempo wird bei dieser Zugfahrt schneller, sondern die Notenwerte werden immer mehr verkürzt und zum Abbremsen wieder verlangsamt. Altinoglu hielt das Geschehen mit dem punktgenau musizierenden BR-Symphonieorchester sicher im Griff, und als „Fahrgast“ konnte man sich – war der Zug erst einmal in Gang – zurücklehnen.
Atemlos machte hernach Frank Peter Zimmermanns Spiel in dem 1950/51 entstandenen, selten zu hörenden Violinkonzert des Schweizers Frank Martin. Natürlich verblüffte Zimmermann als Virtuose (nicht nur in der Kadenz), aber mehr noch als mitreißender Musikant. Oft in höchster Lage, dabei immer tonschön, schien er eine Geschichte zu erzählen – mal mit der Harfe, mal mit dem Holz als Partner. Ob er sich wegträumte oder mit wilden Läufen einklinkte: Zimmermann gestaltete seinen Part sehr intensiv und blieb stets präsent. Auch wenn das Orchester sich, vom Dirigenten rhythmisch wie in seiner Farbigkeit stark gefordert, nicht weniger verausgabte.
Im abschließenden, üppig instrumentierten Bilderbogen von Rimski-Korsakows „Scheherazade“ schwelgte Altinoglu dann im Klangrausch von 1001 Nacht. Temperamentvoll, oft strahlend und mit ausholender Gestik ließ er mit dem Orchester die orientalische Märchenwelt lebendig werden. Wobei Konzertmeister Anton Barakhovsky als Stimme der Scheherazade die Zuhörer verzauberte und auch seine Kollegen (Holzbläser wie Cello) in wunderschönen Soli punkteten. Das Publikum war glücklich. GABRIELE LUSTER