Wie jede echte Sensation des Pop kommt auch diese aus dem Nichts. Elvis kam aus dem tiefsten Süden der USA, die Beatles aus der nordenglischen Provinz, und Rian kommt aus Kärnten (Foto: Mario Wallner). Nun gehört er nicht zwangsläufig in die gleiche Liga wie die Legenden des Rock, aber ein Phänomen ist der Österreicher auf jeden Fall. Vorbei am Radio und klassischen Medien hat er sich binnen kürzester Zeit eine Fangemeinde erarbeitet und füllt in München gleich zweimal die Muffathalle. „Ich fühle mich wie ein Rockstar. Also heute jedenfalls“, sagt Rian erkennbar beeindruckt von der Kulisse.
Man versteht schnell, woher die Begeisterung für den 31-Jährigen rührt: Eingängige Melodien im sehr tanzbaren Clubsound verbindet er schlitzohrig mit gekonnt eingefangenen Miniaturen des Alltags. Verwandtschaftstreffen, die aus dem Ruder laufen, peinliche Situationen, die jeder erlebt hat, das tragikomische Bemühen, sich den Folgen von eigenen Fehlern zu entwinden. All das packt Rian mit Wortwitz in Texte, die harmlos genug daherkommen, um sie fast aus dem Stegreif mitsingen zu können. Und doch ist alles so raffiniert, dass Platz ist für hinterhältigen Humor, über den man beim genaueren Hinhören stolpert.
Auf eine Zeile wie „Es ist normal, ein Mensch zu sein“ muss man erst mal kommen. Den Fans – von Teenagern bis zu grau melierten Best-Agern ist alles dabei – gefällt das, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die Jüngeren feiern die Lieder, in denen Rian lakonisch konstatiert, dass man keine medizinische Fachausbildung benötige, um zu erkennen, wenn ein Arschloch vor einem steht. Die Älteren lächeln versonnen in sich hinein, wenn die Freuden des Homeoffice und das Erschleichen von Überstunden thematisiert werden.
Rian bekommt alles zusammen – auch weil er eines der wichtigsten Rezepte für Erfolg verinnerlicht hat: Seine Mini-Epen sind bestechend kurz. Gerade wenn sich die Melodie ins Kleinhirn gebohrt hat, ist das Lied schon zu Ende. Die netten Ideen werden nicht zu Tode ausgewalzt, es bleibt immer eine ansteckende Leichtigkeit. Die Band spielt die verführerisch minimalistischen Arrangements punktgenau und verzichtet auf überflüssige Gimmicks. Der Bass treibt, die Trompete setzt Akzente, alles schwebt quecksilbrig dahin. Kurzum: Rian versteht sein Geschäft. Mal sehen, ob das was wird mit dem Projekt Rockstar. Das Zeug dazu hat er.ZORAN GOJIC