Das Blaue vom Himmel lügt Julius (Alexander Wagner, li.) seinen Mitmenschen in „Axiom“ herunter. © Robert Haas
Ein wenig erinnert „Axiom“, aktuell im Teamtheater im quirligen Gärtnerplatzviertel zu sehen, an „Der talentierte Mr. Ripley“. Allerdings fehlt hier jener herrliche Schauer, jener feine Grusel, den man in Patricia Highsmiths Krimiklassiker genießt. „Axiom“ – mit seinem philosophisch-wissenschaftlichen Titel einen absoluten Grundsatz behauptend – basiert auf dem gleichnamigen Spielfilm von Jöns Jönsson, der 2022 während der Berlinale Weltpremiere feierte, und Theaterregisseur Philipp Jescheck folgt seinem schwedischen Filmkollegen inhaltlich aufs Genaueste.
Ebenso wie beim Protagonisten weiß das Publikum kaum, was – oder wen – es da gerade gesehen hat und in welchem Genre man sich bewegt: Komödie, Krimi, Dramedy? Der sympathisch-eloquente Julius (Alexander Wagner) ist in der vermeintlich unantastbaren Wahrheit seines Seins Fischdieb, blaublütiger Jetsetter – in Wirklichkeit Museumswärter, den sein Job langweilt. Einer, der seinem Umfeld das Blaue vom Himmel herunterlügt, der seine Identitäten schneller wechselt als andere ihre Unterwäsche, weder Fisch noch Fleisch. Kaum keimen Zweifel an den Münchhausen-Geschichten ihres Freundes, Bruders, Sohnes auf – dessen Familie angeblich eine luxuriöse Jacht besitzt –, bricht Julius, ertappt in seinem Lügengebäude, den Kontakt ab und fällt auf sich selbst zurück. Wer auch immer das sein mag.
Jescheck inszeniert diese schillernde Ungewissheit mit leichter Hand und greift mit Barbara Galli-Jescheck, Adrian Spielbauer und Alexander Wagner auf ein engagiertes, wandlungsfähiges Ensemble zurück. Die Aufführung bewegt sich zwischen Sprech- und Körpertheater: Mini-Choreografien lockern die Dialoge auf, während die Musik von Kim Ramona Ranalter einen zentralen Stellenwert einnimmt. Auch wenn die knapp 90-minütige Inszenierung einen echten dramatischen Höhepunkt vermissen lässt und der Schluss gar zu abrupt kommt, bedankt sich das Publikum mit begeistertem Applaus – und feiert das Ensemble herzlich.ANNA BEKE
Weitere Vorstellungen:
7., 8., 11., 12., 13., 14., 15. März; Telefon: 089/26 04 33.