Kraftclub im Konfettiregen

von Redaktion

Die Chemnitzer Band um Sänger Felix Kummer bringt die Münchner Olympiahalle zum Beben

Konfetti gleich zum ersten Song? Immer her damit, befand das Münchner Publikum. © Martin Hangen

Ein unerschrockener Springteufel: Sänger Felix Kummer sieht die Fans gerne tanzen. Kraftklub hätten erst damit gehadert, die große Halle zu buchen, „aber hier sitzt ja auch keiner“, freut sich der Frontmann. © Martin Hangen

Wer ist wohl furchtloser: Der Kameramann, der sich mit seiner Kamera mitten in den Moshpit wagt? Oder doch Felix Kummer, der sich nach einem Ausflug auf die Ränge rückwärts und rappend durch die gesteckt volle Arena Richtung Bühne schlängelt? Kummer hatte zuvor interessiert Bandshirts begutachtet und dabei auch verraten, dass Kraftklub damit gehadert hätten, die große Halle für ihre „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Tour zu buchen. „Wir haben immer im Zenith gespielt, weil es da keine Sitzplätze gibt“, erzählt er im Plauderton. „Aber hier sitzt ja auch keiner. Wenn wir das gewusst hätten!“

Jeder Song ist eine Gelegenheit für einen beherzten Sprung

Nein, an diesem Freitagabend sitzt wirklich niemand in der ausverkauften Olympiahalle. Kraftklub spielen „Marlboro Mann“ an, und alle Besucher, die nicht ohnehin schon stehen, erheben sich aus ihren Klappsitzen. Konfettiregen zum ersten Song? Her damit! Doch bei aller Kühnheit, die fünf Herren aus Chemnitz sind auch ein wenig erstaunt. Die Olympiahalle, ausverkauft? „Wir haben uns gefragt: Wo kommt Ihr denn auf einmal alle her? Einen Hit hatten wir zuletzt jedenfalls nicht.“ Brauchen sie auch nicht. Ihr Repertoire besteht quasi aus Fan-Favoriten.

So gut wie jeder Song ist eine Gelegenheit für einen beherzten Sprung ins Moshpit. „Ich will nicht nach Berlin“, „Fahr mit mir (4×4)“ und später „Chemie Chemie Ya“ und „Schüsse in die Luft“: In der Arena öffnen und schließen sich die Pogo-Kreise, auf den Rängen wird gesprungen.

Eine Pause gönnen Felix Kummer, Karl Schumann, Till Brummer, Steffen Israel und Max Marschk den Besuchern nicht. Erst, als sie sich für ein kurzes Gastspiel in die Arena begeben, bekommen die Fans bei „Kein Liebeslied“ und „Schief in jedem Chor“ kurze Momente des Schunkelns statt Springens.

Es ist aber auch nicht so, als hätte das Publikum es anders gewollt. Immer wieder skandieren die Fans „Döp Döp Döp“, um Kraftklub zu animieren, „Kippenautomat“ nie enden zu lassen. Bis Felix Kummer scherzhaft bemerkt, sie würden ungern zur „Döp Döp“-Band werden. Immer wieder wird er sagen, wie „episch“ und auch „epischst“ dieser dritte Tourstopp ist. Wer eine ganze Halle dazu bringen kann, von links nach rechts und zurück zu hüpfen („Nach rechts“) hat ein Anrecht auf semi-korrekte Superlative.

Und verdient sich mit diesem Auftritt auch echte. Kraftklub bezeichnen sich selbst als Liveband, und man muss sagen: Sie sind eine der besten, die es aktuell im deutschsprachigen Raum gibt. Hier stimmt wirklich alles, von der wuchtigen Bühne über Licht und Ton bis zur Kameraführung.

Ach ja, der Kameramann: Kraftklub erklären die Spielregeln für den Moshpit bei jedem Konzert. Auch wenn die Fans in München bis zum Finale mit „Songs für Liam“ (und ein bisschen „Kippenautomat“) alles aus sich herausholen: Hier wird noch aufeinander geachtet, Furcht muss niemand haben. Und Felix Kummer? Der ist eh ein unerschrockener Springteufel.Kathrin Brack

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