Ein Star am Klavier und im All: Am kommenden Montag spielt Khatia Buniatishvili in der Isarphilharmonie. © Gavin Evans
Fans von Khatia Buniatishvili dürfen sich gleich auf zwei Auftritte des Klavierstars freuen. Am 19. Mai wird die Georgierin ihren verschobenen Solo-Abend in der Isarphilharmonie nachholen. Bereits am kommenden Montag erlebt man sie an gleicher Stelle mit Brahms’ zweitem Klavierkonzert.
Wenn wir von „Stars“ sprechen, ist das meist im übertragenen Sinne. Aber tatsächlich gibt es seit Kurzem sogar einen Asteroiden, der Ihren Namen trägt.
Im ersten Moment habe ich das für einen Irrtum gehalten, aber es scheint wohl zu stimmen.
Sie tauchen unter den neu entdeckten und neu getauften Himmelskörpern in einer Reihe mit Martha Argerich, Yuja Wang und Rolando Villazón auf.
Ich finde das berührend. Weil es zeigt, dass wir die Menschen wirklich bewegen. Auch wenn wir uns persönlich nicht kennen, entsteht eine Verbindung durch die Kraft der Musik.
In München erleben wir Sie mit dem Orchestre de la Suisse Romande. Wie ist Ihre Verbindung zu diesem Klangkörper und zu Dirigent Jonathan Nott?
Wir waren schon einmal zusammen auf Tournee und haben uns dabei sehr gut kennengelernt. Als jetzt die Anfrage kam, wollte ich unbedingt wieder mit ihnen arbeiten. Und Jonathan Nott ist ein wundervoller Musiker, der dem Orchester eine ganz eigene Farbe entlockt.
Als Chef der Bamberger Symphoniker realisierte Nott unter anderem einen umjubelten Brahms-Zyklus. Eine gute Basis für das Klavierkonzert?
Er hat immer eine Vision von dem, was er umsetzen möchte, und legt großen Wert auf den dramaturgischen Bogen. Vor allem aber steht bei ihm immer die Musik an erster Stelle und nicht sein Ego. Das ist nicht immer selbstverständlich. Und gerade das schätze ich an der Arbeit mit ihm.
Bei Brahms gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Aus welcher Tradition nähern Sie sich dem Werk? Haben Sie Vorbilder?
Nein, gar nicht. Die wichtigste Referenz sind die Noten und das, was wir darin lesen. Trotzdem stecken dort nicht alle Antworten. Es ist wie ein Labyrinth, in dem man seine eigene Stimme finden muss, um damit die Stimme von Brahms hörbar zu machen. Das gilt auch für Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand seinen eigenen Weg gefunden hat, muss man das respektieren. Davon kann und will ich mich nicht beeinflussen lassen.
Geht das noch in einer Zeit, in der Musik rund um die Uhr in unzähligen Varianten präsent und mit einem Klick abrufbar ist?
Das macht es tatsächlich nicht einfacher. Es ist einerseits schön, dass man diese Fülle von Musik und verschiedenen Sichtweisen aus unterschiedlichen Generationen kennenlernen kann. Gleichzeitig ist es aber auch eine Reizüberflutung, die einen desorientieren kann.
Hat sich Ihr Beruf dadurch sehr verändert?
Ich mag das Wort „Beruf“ nicht so gern. Es ist unser Leben! Weil wir alle als Kinder angefangen haben, ein Instrument zu lernen. Als Studentin habe ich viel von meinen Professoren mitbekommen, aber irgendwann muss man sich auch frei machen und seine Autonomie als Künstlerin finden. Und wenn man dieses Gefühl von Freiheit einmal gespürt hat, möchte man es nicht mehr aufgeben.
Lässt sich das im Konzertbetrieb umsetzen oder sind meist Kompromisse nötig?
Wichtig ist, seine inneren Werte nicht zu verlieren. Und dazu gehört für mich neben dem Respekt vor der Musik auch der der Respekt vor anderen Menschen. Das ist der einzige Weg, wie wir im heutigen Chaos unsere Balance finden können. Als Musikerin bin ich da vielleicht sogar im Vorteil, weil es einfach Teil unseres „Berufs“ ist, anderen zuzuhören. Allein geht es eben nicht!
Beim bevorstehenden Solo-Abend vielleicht. Aber der dritte Satz des Brahms-Konzerts könnte schwierig werden, wenn sich Klavier und Cello ignorieren.
Absolut. Das ist wie Kammermusik, wo sich zwei Stimmen miteinander verbinden und das Stück so gemeinsam auf eine andere Ebene bringen. Und die Balance, die dafür nötig ist, müssen wir auch in unserem Leben finden. Es ist gut und wichtig, dass wir die Freiheit haben, unsere Meinung zu sagen. Weil es viele Länder gibt, in denen das aktuell nicht möglich ist. Trotzdem müssen wir einander immer zuhören.