Mit feinem Gespür modelliert

von Redaktion

Pianist Rudolf Buchbinder und Dirigent Lahav Shani in der Isarphilharmonie

Zu Beethovens zweitem Klavierkonzert (das zwar vor dem ersten komponiert, aber erst danach gedruckt wurde) trafen sich bei den Münchner Philharmonikern Lahav Shani am Pult und Rudolf Buchbinder am Piano. Mehr als vier Jahrzehnte trennen die beiden, was ihrem gemeinsamen Beethoven-Spiel in der Isarphilharmonie nicht anzumerken war.

Sehr geschmeidig ließ Shani mit dem Orchester die ersten Takte einschwingen, um gleich darauf akzentuierter zuzupacken. Und auch Buchbinder griff sanft, wenn auch mit frischer Geläufigkeit zu, die er mit der Verdichtung in der Kadenz kontrastierte. Nach einem bis zu zauberhaften Stillstand-Momenten geführten Adagio stürzten sich alle ins heiter-turbulente Rondo-Finale.

Für den begeisterten Applaus bedankte sich der Pianist mit dem Finale der „Sturmsonate“ und gab – ganz Kavalier alter Schule – seine Blumen an Oboistin, Marie-Luise Modersohn weiter.

Dramatischer als beim frühen Beethoven ging es bei Brahms‘ vierter Symphonie zu. Dabei schöpfte Lahav Shani aus dem Vollen und trieb die – sicht- und hörbar engagierten Philharmoniker – auf die Stuhlkante. Auch hier ein sich einwiegender, sanfter Beginn, auf den rasch die ersten Varianten und Zuspitzungen folgten. Shani hielt alles mit präsenten Bläsern und vollmundig klingenden Streichern organisch im Fluss bis zur überrumpelnden Coda.

Naturgemäß durften sich die philharmonischen Holzbläser, von butterweichen Hörnern flankiert, zuletzt auch von ebensolchen Posaunen unterstützt, singend in Szene setzen. Shani modellierte mit feinem Gespür auch die Streicher, ließ Mittelstimmen aufscheinen und setzte den Gesamtaufbau temperamentvoll unter Spannung. Bis hin zu den nicht enden wollenden Variationen des noch einmal hochgetriebenen Finalsatzes. Jubel.GABRIELE LUSTER

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