Mehr als Glanz und Glamour

von Redaktion

Große Stars und starke Reden: So war die 98. Oscar-Verleihung

Preisträger Sean Penn war nicht anwesend. © S. Garfitt

Das Dolby Theatre in Los Angeles feierte Oscar-Gewinnerin Jessie Buckley, die für ihre Rolle in dem Drama „Hamnet“ geadelt wurde. © Agency People Image

Ging leer aus: Timothée Chalamet. © John Locher

Bester Schauspieler: Michael B. Jordan. © Api

Ein Politthriller über militante Aktivisten, die Migranten helfen, als großer Gewinner. Einige Seitenhiebe gegen US-Präsident Donald Trump. Und eine abfällige Bemerkung zur Doku über dessen Ehefrau Melania: Die diesjährige Oscarverleihung stand wieder mehr im Zeichen der Politik – fast so, als hätte Hollywood seine politische Stimme wiedergefunden. Einige Reden – und auch die meisten der prämierten Filme – griffen politische Themen auf – von gesellschaftlicher Spaltung über Rassismus bis zu staatlicher Gewalt. Diese Gala hatte mehr als Glanz und Glamour.

Der Politthriller „One Battle After Another“ von Paul Thomas Anderson gewann mit sechs Auszeichnungen die meisten Oscars, darunter den Preis für den besten Film. Anderson erzählt darin von linken Aktivisten in den USA, angeführt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen, und zeichnet das Bild eines Amerikas im Alarmzustand: geprägt von Abschiebungen, bewaffneten Sicherheitskräften und einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen glauben, für ein besseres Land kämpfen zu müssen. Der Film gewann auch in den Kategorien Regie, Nebendarsteller, adaptiertes Drehbuch, Schnitt und in der neuen Sparte Casting.

Das Vampirdrama „Blood & Sinners“ war mit vier Auszeichnungen zwar der zweite große Sieger des Abends, enttäuschte aber, weil er mit einer Rekordzahl an 16 Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen war. Das Werk von Ryan Coogler erzählt von Rassismus, Gewalt und historischer Schuld in den amerikanischen Südstaaten. Michael B. Jordan, der für seine Doppelrolle als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, würdigte in seiner Dankesrede andere schwarze Preisträger, darunter Denzel Washington, Halle Berry und Jamie Foxx. „Ich stehe hier dank der Menschen, die vor mir da waren.“

Jessie Buckley gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der Ehefrau von William Shakespeare im Spielfilm „Hamnet“. Sie nahm die Auszeichnung sichtlich bewegt entgegen. Sie erinnerte daran, dass in Großbritannien Muttertag sei – und widmete ihren Oscar „dem wunderschönen Chaos im Herzen einer Mutter“. In der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ hat eine deutsche Koproduktion gewonnen. Der Film „Ein Nobody gegen Putin“ (zu sehen in der Arte-Mediathek) ist ein gemeinsames Werk von Dänemarks Rundfunkanstalt DR, der britischen BBC sowie von ZDF und Arte.

Für Gesprächsstoff sorgte, dass der Tischtennis-Film „Marty Supreme“ mit Timothée Chalamet komplett leer ausging – und dass ein Gewinner einer wichtigen Kategorie gar nicht anwesend war. Sean Penn holte seinen dritten Oscar für seine Nebenrolle in „One Battle After Another“, kam aber nicht zur Verleihung. Er reist derzeit durch die Ukraine.ANNE POLLMANN

Artikel 3 von 8