Balbina (Brigitte Hobmeier), Hedwig (Alina Schaller) und Inka (Gerti Drassl, von li.) halten zusammen. © Stefanie Knebel/ARD
Hedwig will heiraten. Aber muss es ausgerechnet ein Mann sein? Für ihre streng progressiven Mütter ist das ein Affront. Die ungewöhnliche Ausgangslage der Komödie „So haben wir dich nicht erzogen“, die das Erste heute um 20.15 Uhr zeigt, entfaltet sich zur pointierten Zeitgeist-Satire über Ideologie, Toleranz und Familienkonflikte.
Im Zentrum des unterhaltsamen Mittwochsfilms steht Balbina (großartig gespielt von Brigitte Hobmeier), eine meinungsstarke Feministin mit Hang zur Doppelmoral, die den Verlobten ihrer Tochter strikt ablehnt. Der Tiroler Skilehrer, der sich eine kirchliche Hochzeit in Tracht wünscht, passt so gar nicht ins Bild der widerständigen Lesbe. An ihrer Seite: Schauspielerin Gerti Drassl, die mit großer Hingabe Balbinas etwas bodenständigere Ehefrau spielt.
Die Story des Films verweist auf das wunderbare Hollywood-Drama „Rat mal, wer zum Essen kommt“ mit Katharine Hepburn, Spencer Tracy und Sidney Poitier aus dem Jahr 1967, in dem eine weiße Frau den Eltern ihren afroamerikanischen Verlobten vorstellt. Drehbuch-Routinier Uli Brée („Vorstadtweiber“) und Regisseur Michael Kreihsl haben eine moderne Variante daraus gezimmert: mit linken Schlagwörtern und woken Debatten rund um traditionelle Geschlechterrollen, patriarchale Ausbeutung, Queerness, Mansplaining – und mit reichlich rabenschwarzem Humor.
Der Film sei „ein Wagnis“, wird Brigitte Hobmeier im Pressematerial zitiert. Das könne auch „kippen und eine unfreiwillige Anklage werden“. Recht hat sie, das Risiko war nicht klein. „So haben wir dich nicht erzogen“ aber kippt erfreulicherweise nicht – dazu ist der Film zu sorgfältig gemacht. Sämtliche Beteiligte und Gewerke agieren präzise – eine tolle Ensembleleistung.KNA