Eine heile Welt? Sängerin Angela Wiedl über das Haifischbecken Volksmusikszene

von Redaktion

„Wir passen nicht mehr ins Konzept“: Angela Wiedl ist im Fernsehen kaum noch zu sehen. © Privat

Angela Wiedl (59) ist ein echtes Münchner Kindl. Doch in ihrer bayerischen Heimat ist die mehrfach ausgezeichnete Volksmusik- und Schlagersängerin immer seltener zu hören. Im Radio und TV wird sie kaum gespielt, Konzerte bekommt sie fast ausschließlich in anderen Bundesländern. Am Samstag singt sie mal wieder in München – Zeit für ein Gespräch.

Wann haben Sie zuletzt in München gesungen?

Das war 2019 – da habe ich im Hofbräuhaus gesungen. Ich bin jahrelang in und um München, wie am Weihnachtsmarkt und in der Residenz, aufgetreten. Die Jungen wissen schlicht nicht mehr, wer ich bin, auch nicht bei den Plattenfirmen.

Aber Sie haben doch eine treue, große Fangemeinde. Müsste man da nicht ins Fernsehen, um wieder mehr Präsenz zu zeigen?

Das ist auch so eine Sache. Wir bewerben uns seit Jahren – bei „Immer wieder sonntags“ beim Stefan Mross oder beim Andy Borg. Aber die sagen, sie haben so viele Anfragen, dass wir da nicht rankommen. Das ist wirklich schlimm, denn ich war 25 Jahre in Folge bei „Immer wieder sonntags“ vertreten. Und wir passen anscheinend nicht mehr ins Konzept – dabei kennen die unsere Lieder gar nicht, die machen sich nicht einmal die Mühe, sie anzuhören. Ich war sogar beim Bayerischen Rundfunk persönlich vorstellig und habe gefragt, warum sie mich nie spielen. Ich habe 20 Jahre lang in ganz Deutschland Konzerte gegeben und wurde auch deutschlandweit im Rundfunk gespielt. Die Antwort war: „Angela Wiedl ist für den Bayerischen Rundfunk zu bayerisch.“ Das kann man sich kaum vorstellen, oder? Und dabei ist Jodeln zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt worden.

Ist die Volksmusikbranche ein Haifischbecken?

Wo ist es denn anders? Es gab Kolleginnen, die von Anfang an auf Konkurrenz aus waren. Aber ich bin immer meinen geraden Weg gegangen und habe mich nicht verbiegen lassen.

Es ist also alles andere als eine heile Welt.

Wo ist denn noch heile Welt? Das gilt für jeden Beruf. Das Problem sind ja nicht die Kollegen, sondern die Entscheider bei Rundfunk und Fernsehen. Ich habe einmal ein Interview mit Thomas Gottschalk gehört. Da hat er sinngemäß gesagt, dass er sich um Musikwünsche von Volksmusik-Hörern nicht schert – er spiele nur, was ihm gefällt. Das sagt doch alles. Aber: Uns gibt es immer noch. Wir sind seit 48 Jahren auf der Bühne. Was ich möchte, ist einfach: meinem Publikum schöne Konzerte geben.

Was erwartet das Publikum beim Münchner Konzert am Samstag?

Natürlich werde ich meine großen Hits singen: „Herzklopfen“, „Santa Maria della Montagna“, „Erhalte, was Gott uns geschenkt“. Und meine Jodler – den Mondscheinjodler, den ich selbst geschrieben habe, und den Erzherzog-Johann-Jodler, mit dem ich wirklich auf der ganzen Welt aufgetreten bin.

Terminhinweis

Angela Wiedl & Die Schäfer-Familie in der Aula des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums in Neufahrn, Keltenweg 5. Beginn: 18.30 Uhr, Einlass: 17.30 Uhr. Karten unter Telefon 08165/3218.

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