Johnny Cash hat in seinem Leben mehr als 80 Alben veröffentlicht. „Johnny Cash with his hot and blue Guitar“ von 1957 war sein erstes. Und man muss schon lange suchen – eigentlich bis zu seinem Spätwerk, als Produzent Rick Rubin ihn als lebensweisen Folk-Altmeister inszenierte –, bis man eine authentischer klingende Aufnahme von ihm findet. Rubin rückte den brüchigen Gottvater-Bariton ganz nah ans Mikro. Sam Philipps, der legendäre Chef der Sun Studios in Memphis, wählte eine andere, nicht minder effektive Sound-Ästhetik: Er legte Hall auf die sonore Stimme, sie ist um einen Hauch verzerrt. So klingt der junge Haudegen Johnny stets ein bisschen gehetzt, und seine Begleiter tun das Übrige: Die Tennessee Two (Luther Perkins an der Leadgitarre und Marshall Grant am Kontrabass) kreieren jenen Boom-Chicka-Boom-Sound, der Cash auch jenseits des reinen Country-Lagers berühmt machen sollte. Einen Namen hatte der sich eh schon gemacht – denn vier der zwölf Songs waren bereits auf Single erschienen. Darunter „I walk the Line“ und der „Folsom Prison Blues“, die der junge Cash beim Wehrdienst in Landsberg geschrieben hatte. Die Platte ist eines der großen Meisterwerke der Fünfziger. Und jetzt kommt sie auch noch in einem wahrlich spektakulären Sound neu heraus. Intervention Records bekamen Zugriff auf das Sun-Archiv und fanden dort ein tadelloses Analogband, das sie zur Quelle ihrer makellos gefertigten Vinyl-Ausgabe machten. Klar und knackig springt einem der Mono-Sound ins Gesicht – als säße man mit im Studio.LÖ
Johnny Cash:
„With his hot and blue Guitar“ (Intervention).
★★★★★ Hervorragend