Seit Jon Irabagon 2008 den renommierten Thelonious-Monk-Wettbewerb für Saxofon gewonnen hat, zählt der US-Amerikaner mit philippinischen Wurzeln zu den umtriebigsten und vielseitigsten Kreativkräften der internationalen Jazzszene. Dass sich der 46-jährige Virtuose mit Kompositionstalent auch mal in München als Leader einer eigenen Band vorstellt, war also überfällig. Das Warten hat sich gelohnt: Irabagons Quartett mit dem brillanten Pianisten Matt Mitchell sowie Chris Lightcap (E-Bass) und Sam Ospovat (Schlagzeug) faszinierte mit einem Ideenfeuerwerk raffiniert kalkulierter, immer wieder überraschender Themen- und Tempiwechsel. Irabagon, der sich diesmal aufs Altsax konzentrierte, liebt mehrteilige Kompositionen, die von Mitspielern und Zuhörern hohe Aufmerksamkeit fordern, aber immer Raum für improvisatorische Höhenflüge bieten. Voraussetzung ist ein bestens eingespieltes Quartett. „München ist die letzte Station unserer Europatournee. Ihr werdet also das beste Konzert zu hören bekommen“, hatte Irabagon gleich zu Beginn gesagt. Zwei Stunden später hätte ihm in der vollen Unterfahrt sicher niemand widersprochen. REINHOLD UNGER