UNSERE KURZKRITIKEN

Reichtum in der Kargheit

von Redaktion

Island. Die mystische Wahlheimat des Schweizer Autors Joachim B. Schmidt, die ihren so ganz eigenen Gesetzen von Tempo, Natur und rauem Wetter zu folgen scheint, ist der Schauplatz vieler seiner preisgekrönten Bücher. Sein von einer wahren (Über-)Lebensgeschichte inspirierter Roman „Ósmann“ ist ein geschriebenes Ölgemälde des 19. Jahrhunderts, das mit Gegensätzen verzaubert: Trotz des kalten, einsamen, tristen Landstrichs, den es malt, wirkt es warm, dicht und lebendig. Mal angedeutet, mal bis ins kleinste Detail beschreibt Schmidt das harte Dasein eines hünenhaften, aber sanften Fährmanns, der mit seiner Poesie Kummer lindert und mit seiner Wärme Halbtotgefrorene zum Leben erweckt. So kann sich Ósmanns Flussmündung in den Styx verwandeln oder in den Großen Teich zur Neuen Welt. Ein fabelhaftes Porträt über die Komplexität eines einfachen Lebens, in dessen Kargheit und Demut ein Reichtum aus Herzlichkeit und Güte ruht.TEG

Joachim B. Schmidt:

„Ósmann“; Diogenes, 288 Seiten; 21,99 EUR.


★★★★★ Hervorragend

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