PREMIERE

Ausgezaubert

von Redaktion

Das Deutsche Theater zeigt „Cinderella – Das Musical“

Gesanglich solide, doch irgendwie klappt‘s nicht mit der Chemie: Stefanie Gröning als Cinderella und Martin Markert als Prinz André. © Michael Böhmländer

„Ich bin Theophil“, stellt sich gleich zu Beginn ein Eichhörnchen nonchalant vor – und entpuppt sich, verkörpert von Michael Schneider, nicht nur als Nussgourmet, sondern auch als eines der wenigen Höhepunkte, die die Produktion „Cinderella – Das Musical“ zu bieten hat. Diese kam als Gastspiel des Festspielhauses Neuschwanstein ans Deutsche Theater in München und bringt den bekannten Märchenstoff auf die Bühne. „Die Geschichte von Cinderella kennt ihr alle, oder?“, merkt Theophil an. Eine rhetorische Frage, deren implizites Versprechen die Inszenierung jedoch kaum einlöst.

Dreistündiger Abend als Geduldsprobe

Dabei ist der Stoff denkbar robust: Seit über zwei Jahrhunderten wandert das Märchen durch Opern-, Ballett- und Musicalfassungen, nicht zuletzt befeuert durch den Disney-Klassiker von 1950, der bis heute Generationen prägt. Selten jedoch fiel eine Version so blutleer und konturlos aus wie die Regiearbeit von Benjamin Sahler und Dirk Schattner.

Als großes Familienspektakel angekündigt, erweist sich der dreistündige Abend vor allem als Geduldsprobe – insbesondere für ein junges Publikum. Die Bühne quillt über vor fantastischen Figuren, als ließe sich erzählerische Leere durch bloße Masse kompensieren. Mit beträchtlichem Aufwand werden bunt glitzernde Bildwelten entworfen und ebenso schnell wieder aufgelöst: ein pittoreskes Dörfchen, Fachwerk, Dirndl, heile Welt. Doch die Idylle bleibt Behauptung: Selbst der Tod der Mutter (Christine Owen) wird dramaturgisch entschärft, da die Figur später weiterhin präsent bleibt – Trauer ohne Konsequenz.

Überhaupt scheint diese „Cinderella“ allergisch gegen jede Form von Härte. Die Grimm‘sche Vorlage, reich an Abgründigkeit und Grausamkeit, wird konsequent weichgespült. Übrig bleibt eine pastellfarbene Fantasiezone, in der selbst die Stiefschwestern (Madeleine Haipt und Christine Reuter) – immerhin die Publikumslieblinge des Abends – eher als Opfer widriger Umstände denn als Antagonistinnen erscheinen. Ihre Mutter (Julia Haug) gibt dazu die überzeichnete Intrigantin mit Sisi-Anmutung.

Und das Liebespaar? Cinderella und Prinz André (Stefanie Gröning und Martin Markert) bleiben blass und ohne echte Strahlkraft. Gesanglich solide, szenisch jedoch ohne jede chemische Reaktion. Kein Knistern, kein Zauber. Dafür meldet sich die Bühnentechnik umso vernehmlicher zu Wort – rumpelnd, polternd, mitunter so laut, dass der Abend unfreiwillig ins Stolpern gerät.

Immerhin: Das Happy End stellt sich verlässlich ein – hier weniger als dramaturgische Leistung denn als Naturgesetz. Wer jedoch auf vertraute Melodien des Disney-Klassikers gehofft hat, etwa das legendäre „Bibbidi-Bobbidi-Boo“, wird enttäuscht. Die poppigen Kompositionen von Ephraim Peise rauschen vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen. Kein Song bleibt im Ohr oder greift wirklich ans Herz.

Stattdessen setzt die Inszenierung auf visuelle und choreografische Elemente – und vor allem auf Quantität. Tanzeinlagen in Endlosschleife, choreografisch wenig einfallsreich, irgendwo zwischen Revue und Cancan. Dazu Akrobatik, Glitzer, Bewegung. Das Ergebnis ist ein insgesamt überfrachtetes Bühnengeschehen, das seinem Anspruch als Spektakel zumindest in dieser Hinsicht gerecht wird. Doch letztlich spricht der Applaus für sich – weitere Folgevorstellungen sind aufgrund der hohen Nachfrage für Januar 2027 bereits angekündigt.ANNA BEKE

Nächste Vorstellungen

am 26., 27., 28., 29. März; Telefon: 089/55 23 42 50.

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