Da weiß man, was man hat

von Redaktion

Mit 84 Jahren legt Paul Anka das Album „Inspirations of Life and Love“ vor

„Ich mache es wirklich gut“, findet der Star. © imago stock

Er ist beinahe der „Last Man singing“. Einer der Letzten seiner Generation, der noch singt – und sogar neue Platten aufnimmt. Mit 84 Jahren hat Paul Anka jetzt ein neues Album eingespielt: „Inspirations of Life and Love“. Und es klingt beinahe so, als wäre die Zeit stehen geblieben, seit er 1957 mit „Diana“ zum jugendlichen Pop-Helden aufstieg. Fast 70 Jahre ist das her. Ein 16-jähriger Junge aus Ottawa, der die Welt verzückte.

Auch „Zwei Mädchen aus Germany“ waren in Paul Anka verknallt, der sich 1964 partout nicht entscheiden konnte zwischen „Gisela“ und „Monika“. Deutschland schmolz dahin. Dann kam der Sprung vom Teenie-Idol zum Songwriter-Genie. Frank Sinatra verriet ihm beim Abendessen in Florida, er wolle aufhören – und Anka, gerade mal 26, textete „My Way“ für Frankieboy. „Es hat sich praktisch selbst geschrieben“, erinnert er sich. Das Lied war so ein gigantischer Erfolg, „dass Frank noch zehn Jahre weitergemacht hat“.

Heute ist Paul Anka mit 84 derjenige, der unverdrossen immer weitersingt. „Ich kann nicht glauben, dass ich das immer noch tue“, sagt er. „Aber ich mache es wirklich gut.“ Auch an Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt. Zum Album, aufgenommen in seinem Heimstudio in Kalifornien, mit dem Budapest Scoring Orchestra, erscheint eine HBO-Dokumentation: „Paul Anka: His Way“.

Die Platte klingt exakt so, wie man es erwartet – und das ist ein Kompliment. Opulent, orchestral, klassisches Crooner-Handwerk. Countryeske Ballade hier („I just can’t wait“), hymnische Sehnsucht dort („Anytime“). „It was a very good Year“, der Sinatra-Klassiker, klingt beim älteren Herrn aus Kanada noch authentischer. Überraschungen gefällig? Ein runtergebremstes Michael-Jackson-Cover („Love never felt so good“) und „Freedom for you and me“, geschrieben mit dem 2025 verstorbenen Jack White. Den Schlusspunkt setzt ein melancholisches „That’s Life“: ein würdiges letztes Wort, das aber keines sein will.

An seinem Rat für alternde Kollegen hält er fest: „Bewahrt Eure Würde und hört auf, die Leute zu enttäuschen. Geht als Helden ab!“ Sich selbst nimmt er davon aus: „Ich weiß, was Ruhestand ist. Ich will ihn nicht. Ich trete vielleicht 75 Tage im Jahr auf und tue den Rest der Zeit, was ich will. Das macht so viel Spaß.“ Paul Anka hat noch Freude daran, deshalb singt er weiter. Und er macht das wirklich gut!JÖRG HEINRICH

Paul Anka:

„Inspirations of Life and Love“ (Sun/Green Hill Music).

Artikel 3 von 6