„München macht einfach Spaß“, sagt Clueso – die Fans lassen sich von der Begeisterung anstecken. © Martin Hangen
Die Mutter hat sicherheitshalber den Ausweis ihres Kindes mitgebracht. Um zu beweisen, dass der kleine Sohn groß genug ist für ein Konzert. „Er ist im Dezember sechs geworden“, erklärt sie der Frau an der Sicherheitskontrolle, die erst den kleinen Buben und dann das Dokument aufmerksam betrachtet. „Dann wünsch ich Euch ganz viel Spaß“, sagt die Mitarbeiterin schließlich und lässt Mutter und Sohn in die Olympiahalle. Tausende kleine und große Fans sind an diesem Dienstagabend zum München-Konzert der „Deja Vu“-Tour gekommen. Clueso, ein Künstler, auf den sich Kinder und Eltern einigen können. Und natürlich viele, die altersmäßig dazwischenliegen.
Seine eigene Familie hat der Sänger aus Erfurt auch mitgebracht. Die Eltern sind im Publikum, erzählt er, bevor er „Ballon“ für seinen Vater Roland anspielt. „Und mein ältester Fan ist heute Abend hier. Meine Großtante, die ist 92.“ Clueso, der den Abend im cremefarbenen Ensemble beginnt, will nicht nur ihnen wie im ähnlich benannten Song „was Echtes“ bieten. „Alles hier ist echt“, sagt er und bittet das Publikum, seine zehnköpfige Band möglichst euphorisch zu begrüßen: „Schön, dass Ihr da seid!“, rufen 9000 Besucher voller Inbrunst.
Der 45-Jährige bringt alles mit, was ein guter Konzertabend braucht: eine Band, die auch mal improvisieren darf und ihren Job hervorragend macht. Nähe zum Publikum, etwa wenn er unvermittelt für „Fanpost“ und „Herz Boom Boom“ auf den Rängen auftaucht oder zur Zugabe „Gewinner“ in der Arena spielt. Und etwas aus der Abteilung Effekte: reichlich Konfetti in verschiedenen Farben, das er direkt zum Opener „Chicago“ zum ersten Mal von der offenen Bühne ins Publikum abfeuert.
Vor allem aber ist Thomas Hübner, wie Clueso eigentlich heißt, seine eigene Attraktion. Wenn er von seinem ersten Treffen mit Udo Lindenberg erzählt, den er von den Platten seines Vaters kannte und dann vor 14 Jahren als Freund kennenlernte. Wenn er „Kippe“ von Ennio spontan in seine Setlist einbaut und der junge Münchner Künstler zur Überraschung aller plötzlich mit auf der Bühne steht. Wenn er sich eine besondere La-Ola-Choreografie einfallen lässt. Aber auch, wenn er mit Lotte, die den Abend als Vorband eröffnet, „Wenn du liebst“ singt und sich dabei zurücknimmt. Das ist alles nahbar, und wahrscheinlich ist das die Superkraft von Clueso. Dass es scheint, als würde man ihn kennen, ein Kumpel, der Musik macht. Und natürlich auch, dass seine Begeisterung ansteckt.
Es ist ihm anzumerken, dass er auch nach zwei Stunden nicht ans Aufhören denkt, hier ein Solo, da eine spontane Idee, dazwischen erzählt er. „Ich könnte ewig so weitermachen“, sagt Clueso. „München macht einfach Spaß.“ Das Publikum beantwortet dieses Lob mit Sprechchören, lautem Gesang und kollektivem Springen zu „Tanzen“. Bevor dieser Abend für Groß und Klein dann doch mit „Barfuß“ endet.KATHRIN BRACK