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von Redaktion

Intendant Hinterhäuser verlässt ab sofort die Salzburger Festspiele

Markus Hinterhäuser wurde beurlaubt. © T. STEINMAURER

Was genau die Anwälte beider Seiten vereinbart haben, wird wohl nie öffentlich werden. Mutmaßlich ist es eine für Markus Hinterhäuser akzeptable bis lukrative Abfindung. Seine Ära als Intendant der Salzburger Festspiele ist ab sofort Geschichte, bis zum Ende seines aktuellen Vertrags, also bis September, ist er beurlaubt. Das Kuratorium hat dazu eine Formulierung gefunden, die erahnen lässt, wie tief das Zerwürfnis zwischen Hinterhäuser und den politischen Entscheidungsträgern ist: „Aufgrund unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede und Differenzen gehen die Salzburger Festspiele und Intendant Markus Hinterhäuser ab sofort getrennte Wege.“ Ansonsten sei Stillschweigen vereinbart worden.

Die Salzburger Festspiele sind damit in die tiefste Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Das Programm für diesen Sommer steht zwar, auch dürften weite Teile des 2027er-Festivals fertig geplant sein. Nachdem vor einigen Tagen eine gewisse Gesprächsbereitschaft zwischen beiden Fronten feststellbar war, kommt das Aus nun etwas plötzlich. Seit Monaten steht dabei das angebliche Fehlverhalten Hinterhäusers im Raum. Wie mehrfach berichtet, wurde ihm angekreidet, dass er eine neue Schauspielchefin im Alleingang und jenseits des Findungsverfahrens durchdrücken wollte. Doch immer mehr wird auch der Charakter Hinterhäusers diskutiert.

Von cholerischen Szenen wird erzählt, Hinterhäuser selbst räumte den „Salzburger Nachrichten“ gegenüber ein, dass er ein „emotionaler, bisweilen auch impulsiver Charakter“ sei. Gestern nun eine weitere Umdrehung: Wie der „Spiegel“ berichtet, liegen angeblich Belege vor, Hinterhäuser habe „über Jahre Menschen beleidigt und beschimpft“. Seine Verbalattacken seien derart heftig gewesen, dass sie sich „gewalttätig angefühlt“ hätten. Im Festspielhaus herrsche ein Klima der Angst. Fest steht: 2024 wurde in Hinterhäusers Vertrag eine Wohlverhaltensklausel fixiert. Die betrachtet das Kuratorium als verletzt, weshalb auch die Verlängerung des Vertrags bis 2031 hinfällig sei. Was aus Sicht der politischen Entscheidungsträger bedeutet: Hinterhäusers Vertrag endet im Herbst, bis dahin ist der Noch-Intendant beurlaubt.

Das schnelle Aus für Hinterhäuser ist nicht überraschend. Kaum vorstellbar, dass er als schwer angezählter Intendant im kommenden Festspielsommer täglich Präsenz gezeigt hätte. Die Festspiele, die er seit 2016 als Intendant leitet, sind so etwas wie das Baby des Salzburgers. Doch Lust und Kraft, sich nicht nur mit dem Kuratorium, sondern auch mit der ungeliebten Festspielpräsidentin Kristina Hammer anzulegen, dürften verflogen sein. Nun wird ein Übergangsintendant benötigt. Immer häufiger wird hier Nikolaus Bachler genannt, Ex-Intendant der Bayerischen Staatsoper und in selber Funktion bei den Salzburger Osterfestspielen aktiv. Der gibt sich bedeckt, aber nicht unbedingt ablehnend. „Ich habe im Augenblick wirklich nichts damit zu tun“, sagte er in dieser Woche.MARKUS THIEL

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