Flott ins Jenseits

von Redaktion

Verdi-Requiem in der Isarphilharmonie

Jetzt am besten zurück auf Los. Mit demselben Chor, demselben Orchester, mit Dirigent Gianandrea Noseda (Foto: Gaetan Bally), allerdings mit einer Auswechslung des Solo-Quartetts. Ein frommer Wunsch nach dieser Totenmesse in der Isarphilharmonie. Giuseppe Verdis Requiem bleibt ein Kür- und Absahner-Stück für die vier an der Rampe. Das klingt beim Gastspiel der Oper Zürich anders, man bekommt Vokales zwischen kühl-farbarm und abgesungen zu hören.

Tenor Joseph Calleja bewegt sich im höhenarmen, indifferent lauten Karriere-Spätherbst. Marina Rebeka muss arbeiten und bleibt der Sopran-Partie Wärme, natürliche Flexibilität, auch ein Quantum Souveränität schuldig. Im Unisono mit Mezzosopranistin Agnieszka Rehlis kommt es zu Intonationsreibungen. Letztere schlägt sich wacker, ist aber nicht ganz formatfüllend. Und Bassist Alexander Vinogradov genießt den Schutz des Einspringers: Schon beim vorausgegangenen Tourneekonzert in Luxemburg hatte sich der vorgesehene David Leigh entschuldigen lassen, hier sprang Marko Mimica ein. Für Dirigent Gianandrea Noseda bedeutet das verschärften Lotsendienst. Mit ausholender, insistierender Gestik bringt er die Belegschaft bei Irritationen auf Kurs, ein echter Handwerker eben. Der scheidende Zürcher Generalmusikdirektor leistet aber auch aus einem anderen Grund Bemerkenswertes: So zügig, so flüssig kennt man das Verdi-Requiem sonst nicht. Was nicht heißt, dass Noseda dem Stück die Dramatik nimmt. Oft gibt es ordentlich etwas auf die Ohren, doch nie wird die Sache zum Kirchen-Theater. Sehr überzeugend ist dieses Konzept. Dazu passt der warme, gerundete Klang des Zürcher Opernhaus-Orchesters. Der unterscheidet sich von dem des dortigen Chores: Die Bässe sind raubauzig unterwegs, die übrigen Stimmen etwas stilbewusster. Teilweise kommt es zu Abstimmungsproblemen, das Riesen-Ensemble muss sich erst auf den ungewohnten Saal einstellen. Tournee-Alltag eben.MARKUS THIEL

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