Geschmeidiger Sänger, launiger Conférencier: Howard Carpendale präsentierte sich beim Konzert in der Olympiahalle in Bestform. © Martin Hangen
Wenn Roland der Kaiser des deutschen Edel-Schlagers ist – dann ist Howard Carpendale der König. Nach 60 Jahren Karriere muss Howie seine Zugehörigkeit zur Royal Family des deutschen Entertainments zwar längst nicht mehr nachweisen. Aber ein glanzvolles Drei-Stunden-Konzert wie jetzt in der ausverkauften Münchner Olympiahalle zeigt: Er kann’s auch mit 80 noch. Seine Fans bejubeln ihn wie eh und je: „Ti amo, Howie!“ Und es wäre ein Wunder, wenn Carpendale trotz Abschiedstournee nicht noch einmal „Hello Again“ in der Olympiahalle sagen würde.
„Ich bin in guter Form“, verrät er gleich zu Beginn. Und das hört man. 15 exzellente Musikerinnen und Musiker sorgen dafür, dass die Mucke erdiger und wuchtiger klingt als auf dem arg glattgebügelten neuen Best-of-Album „Zeitlos“. „Bei dieser Band ist kein einziger Ton nicht live“, versichert Howie. Und das macht große Freude im Zeitalter der Konserven-Konzerte.
Die Kapelle bringt die Klassiker von „Fremde oder Freunde“ über „Wie frei willst du sein“ bis zum umjubelten „Samstag Nacht“ modern und frisch auf die Bühne. Und so cool wie mit „Sophia Loren“ von Roy Bianco klang Howard Carpendale noch nie. Die Hits sind die Stars des Abends – und natürlich Howie himself, der den Comedian in sich entdeckt hat. Dafür sorgt sein Filius Wayne, der mit wirklich lustigen Videos zum Social-Media-Star avanciert ist.
In einem Einspieler wundert sich Wayne, dass sein Erzeuger plötzlich gar nicht mehr mit „isch und misch und disch sprischt“. Der Senior plaudert das Geheimnis aus: „Dank KI kann ich jetzt endlich richtig Deutsch sprechen.“ Kann er natürlich nicht. Aber was wäre Howie ohne „Isch liebe disch“? Zusammen mit seinem Sohn singt er höchst unterhaltsam „Stand by me“. Und was kaum jemand in der Halle weiß: Wayne hat sich am Vormittag bei einem Fahrradsturz eine Rippe gebrochen, hält aber tapfer durch (siehe Kasten).
Sein Herr Papa will auch durchhalten. Auf Tournee möchte er zwar nicht mehr gehen. Aber dann nennt man das Spektakel eben nicht mehr Tournee, sondern einzelne Auftritte. Am Ende denkt er laut nach: „Es gibt ja die Möglichkeit, in einer großen Halle wie hier in München fünf-, sechsmal zu spielen.“ Howiemania statt Kaisermania, das wär’s! Ein Carpendale-Musical kommt auch: „Hello! Again?“ läuft im März 2027 im Deutschen Theater in München. Der Mann hat viel vor für sein Alter. Wobei er schwört: „Ich bin gar nicht 80, ich bin 4.160 Wochen alt.“ So oder so: Dafür ist er rischtisch gut in Form.JÖRG HEINRICH