„Traumtänzer“: Sir Simon Rattle mit dem BRSW im Herkulessaal

von Redaktion

Pianist Kirill Gerstein mit Sir Simon Rattle. © A. Ackermann

Eine musikalische Wundertüte öffneten Sir Simon Rattle und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) im Herkulessaal. Und heraus purzelten neben Debussys wohlbekanntem „La mer“ nur Überraschungen: eine Ballett-Suite von Francis Poulenc, Tänze von Roberto Gerhard, den hiesige Konzertbesucher ebenso wenig kennen wie Francisco Coll. Letzterer war sogar anwesend und konnte den Applaus für sein „Piano Concerto“ persönlich entgegennehmen.

Dass dieses dreisätzige, im vergangenen Jahr entstandene Opus des 41-jährigen Spaniers bei seiner Uraufführung gleich so fesselte, lag nicht nur am Komponisten, der in der Tat fürs Klavier zu schreiben versteht, sondern auch am Solisten: Kirill Gerstein. Er fetzte in den wilden Ecksätzen („Humoresque“ und „Rag“) in rasantem Tempo über die Tastatur, schlug auch mal mit der flachen Hand darauf und schuf zusammen mit dem ebenso temperamentvoll agierenden Orchester (viel Schlagwerk) eine oft schräge, zuweilen schrille und im Finale auch leicht jazzige Klangwelt. In scharfem Kontrast zu diesem irrwitzigen Feuerwerk rangierte der langsame Satz „Paisaje“ (Landschaft), der gleichwohl zu einem gewaltigen Ausbruch führte, sich zuletzt aber im Solo-Klavier verlor. Gerstein formte seinen Part hier mit Nachdruck, setzte markante Akzente und geriet auch ins Grübeln. Als höchst virtuose Zugabe spendierte er – ebenfalls von Coll – einen wild zerrissenen Walzer, der sich mit Ravel messen kann. Helle Begeisterung.

Mitreißen ließ sich das Publikum auch von den „Dances from Don Quixote“, die Roberto Gerhard 1958 aus seinem Don-Quixote-Ballett zusammenfügte. Rattle und das groß besetzte Orchester schufen lebendige, von spanischen Rhythmen geprägte Bilder und woben eine zarte Idylle für Don Quixotes Traum. Äußerst plastisch, heiter und frech gelang ihnen Poulencs Ballett-Suite „Les biches“. Dramatischere Stimmungen beschworen sie zuletzt in „La mer“ herauf, dessen Farb- und Lichtspiele vom BRSO überzeugend realisiert wurden. Viel Applaus.GABRIELE LUSTER

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