Jetzt singt er wieder

von Redaktion

Jonas Kaufmann und seine dritte Saison bei den Tiroler Festspielen

Chef zweier Spielstätten: Jonas Kaufmann vor dem Passions- und dem Festspielhaus. © X. Bender, M. Rittershaus, E. Haberer

Gleich vorweg für die Fans: Jonas Kaufmann kehrt auf die Bühne in Erl zurück. Nachdem er sich in der aktuellen Spielzeit der Tiroler Festspiele nur auf seine Rolle als Intendant beschränkt, wird er zu Ostern 2027 wieder in Wagners „Parsifal“ zu erleben sein, die Produktion kam 2025 mit ihm in der Titelrolle heraus. Der Parsifal ist eine der kürzesten Heldenpartien des heiligen Richard, die ließ sich offenbar mit dem neuen Job des Stars vereinbaren. Als Entschuldigung, warum er dort nicht häufiger singend auftritt, wiederholte Kaufmann bei der Programm-Präsentation sein selbst auferlegtes Credo: „Ich komme mehr als Intendant und möchte diese Rolle ausfüllen.“ Er wolle daher „nicht bei jeder Tenor-Rolle ,Hier‘ schreien“.

Es ist bereits die dritte Spielzeit, die Kaufmann als Intendant im Inntal präsentiert. Das Rezept bleibt das Gleiche, die Zutaten werden allerdings exquisiter. Der aktuelle Intendant erfindet das Rad also nicht neu: Seit der Gründung im Jahre 1998 versteht sich das Festival im Sommer als Spielstätte für Wagner und im Winter für Belcanto. Für die kommende Saison heißt das: Im Winter wird Donizettis „Anna Bolena“ konzertant gegeben, ebenso Verdis „Nabucco“. Einzige szenische Neuproduktion ist Verdis „La traviata“ mit Julia Muzychenko in der Titelrolle, am Pult steht wie fast immer der Erler Chefdirigent Asher Fisch, es inszeniert, ein prominenter Name, Mariame Clément.

Nach dem österlichen „Parsifal“ (Gurnemanz: John Relyea, Amfortas: Gerald Finley) geht es im Sommer 2027 weiter mit Wagner und ebenfalls namhaften Kräften. Johannes Erath setzt sich für „Tristan und Isolde“ in den Regiestuhl, Fisch dirigiert erneut. Als Titelrollenpaar sind John Matthew Myers und Irene Roberts zu erleben. Kaufmann sagte dazu, er habe lange mit sich gerungen, ob er den Tristan in Erl singen solle. Angesichts der konditionsraubenden Partie habe er sich dagegen entschieden: „Ich glaube, ich wäre sonst in dem Sommer nicht anwesend.“

Zweite szenische Neuproduktion im Sommer 2027 ist „Der ferne Klang“ von Franz Schreker. Ein ambitioniertes Projekt, für das der einstige Regie-Berserker Calixto Bieito engagiert wurde. Christian Blex, 2025 Gewinner des Karajan-Preises der Salzburger Festspiele, dirigiert das Orchester der Tiroler Festspiele. Mit der dritten Produktion gibt sich Erl sogar noch moderner: Unterm Kranzhorn wird „Accabadora“ des zeitgenössischen Komponisten Francesco Filidei gezeigt. Die Tiroler holen sich damit ein Projekt, das bereits in diesem Sommer beim Festival Aix-en-Provence herauskommt. Das Stück dreht sich um eine Frau, die Todgeweihte auf teils brutale Art ins Jenseits bringt. Neben einer ganzen Reihe von Konzerten gibt es auch ein Gastspiel quasi von nebenan. Das Münchner Gärtnerplatztheater zeigt in Erl seine „Fledermaus“ und eine Operetten-Gala. Neu im Sommer 2027: Die Erler organisieren einen Gesangswettbewerb, eine „Jonas-Kaufmann-Competition“. Die Gewinner dürfen in einem Konzert mit dem Star auftreten.

Unter Jonas Kaufmann setzen die Tiroler Festspiele damit ihren Weg fort, immer mehr Promis ins Inntal zu locken. Das hat finanzielle Folgen. Kaufmann räumte ein, dass die Preise für die kommende Saison erhöht werden. So kosten etwa die teuersten Plätze künftig 170 statt 150 Euro.

Dass der Intendanten-Job dem Star Spaß macht, war ihm bei der Pressekonferenz anzumerken. Dass er in Details noch mit ihm fremdelt und sich manchmal um Kopf und Kragen redet, allerdings auch. Als Regisseur des „Parsifal“ nannte er zunächst Philipp Stölzl, um den korrekten Philipp M. Krenn nachzuschieben. Die Titelrollen-Sängerin der „Anna Bolena“ ging ihm rudimentär über die Lippen (es ist Marigona Querkezi). Und mit Blick auf die „Traviata“-Regisseurin Mariame Clément erinnerte Kaufmann an Deborah Warner, die heuer in Erl den Doppelabend „Cléopâtre/Suor Angelica“ inszeniert – „die ist in einer anderen Liga“.

Viel spricht dafür, dass Jonas Kaufmann den Tiroler Festspielen noch eine Zeit erhalten bleibt. Sein aktueller Vertrag läuft bis 2030. Entscheidend wird also sein, ob sich der Erfolg in Erl fortsetzen lässt – und ob sich der dortige Festspielpräsident und frühere Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner dies weiterhin eine entsprechende Summe kosten lässt. Befragt, ob er mit der Position des frei gewordenen Salzburger Festspiel-Intendanten liebäugle, sagte Kaufmann jedenfalls: „Ich sitze hier in Erl und nicht für Etwas anderes.“M. THIEL

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