Es ist der Witz mindestens dieses Kultur-Jahrzehnts – und für Markus Hinterhäuser eine bittere Pointe: Karin Bergmann übernimmt als Interims-Intendantin die Salzburger Festspiele (Foto: imago stock). Ausgerechnet jene Theatermacherin also, dank derer Hinterhäuser in Ungnade gefallen war. Bekanntlich wollte er die frühere Direktorin des Wiener Burgtheaters als Salzburger Schauspielchefin engagieren. Das Kuratorium der Festspiele nahm ihm dies gewaltig übel, da Bergmann am Bewerbungsverfahren gar nicht teilgenommen hatte. Allerdings: Rein rechtlich gesehen hätte Hinterhäuser diese Entscheidung treffen dürfen.
Die 73-Jährige soll die Salzburger Festspiele „voraussichtlich bis Herbst 2027“ führen, teilte das Kuratorium mit. „Sie bestreitet damit die Umsetzung des Spiel- und Haushaltsplans der kommenden und der nächsten Festspielsaison.“ Im Klartext: Karin Bergmann wickelt das von Hinterhäuser weitgehend geplante Programm ab und koordiniert zusammen mit Präsidentin Kristina Hammer und dem kaufmännischen Geschäftsführer Lukas Crepaz das laufende Festivalgeschäft.
Karin Bergmann wurde vom Kuratorium einstimmig berufen. Während der Karwoche und über die Osterfeiertage, so teilte das Gremium mit, seien vertrauliche Gespräche geführt worden. Gleichzeitig sollen nun die Posten der Intendanz und des Präsidenten-Postens ausgeschrieben werden. Das Kuratorium will eine Findungskommission einsetzen und eine externe Personalberatung hinzuziehen.
Einerseits baut das Kuratorium auf eine erfahrene Theatermacherin, die damals als Interimschefin die Situation am Burgtheater beruhigt hat. Andererseits kann man die Personalie auch als Häme und Zynismus Richtung Hinterhäuser verstehen. Das Kuratorium der Festspiele hat sich von ihm getrennt, weil es ihm fehlendes „Wohlverhalten“ vorgeworfen hatte. Bislang gibt es nur anonyme Quellen. Hinterhäuser gilt als hochemotionaler, nicht unbedingt diplomatischer Künstlertyp. Doch was genau das Fass zum Überlaufen brachte, ist noch immer nicht bekannt.
Immer wieder war kolportiert worden, Nikolaus Bachler, Intendant der Osterfestspiele, könnte das Sommerfestival mit übernehmen. Kommentar eines in Salzburg engagierten Sängers dazu: „Die haben ihn gar nicht gefragt, weil sie jemanden haben wollen, der sich wohlverhält.“MARKUS THIEL