In der eigenen Wohnung fing alles an: Andreas Schiller, früher im Vorstand einer großen Versicherung und Hobby-Gitarrist. © Marcus Schlaf
Seine berufliche Karriere führte den Juristen Andreas Schiller bis in den Vorstand einer großen Versicherung. Daneben engagierte sich der Hobby-Gitarrist immer schon ehrenamtlich für den Jazz, etwa bei der Münchner Unterfahrt. Im Jahr 2020 verkaufte Schiller seine gut 30 Jahre zuvor erworbene Eigentumswohnung im Münchner Lehel und gründete mit dem Erlös die gemeinnützige Jazz-Stiftung München, die seither alle möglichen Jazz-Aktivitäten in der Stadt anschiebt und unterstützt. Schillers jüngste Initiative ist der Münchner Jazzsalon, eine Veranstaltungsreihe im Spiegelsaal des Deutschen Theaters, die sich jeweils in Wort und Musik einer bedeutenden Künstlerpersönlichkeit widmet. Zum Gespräch darüber empfängt Schiller in der Wohnung, die das Gründungskapital seiner Stiftung ist und in der er nach wie vor lebt.
Welche Idee steht hinter dem Münchner Jazzsalon, was erwartet die Besucher der Reihe?
Die Idee ist, die Großen des Jazz, die diese Musik entwickelt haben und entsprechenden Einfluss hatten, in Erinnerung zu rufen. Und zwar nicht nur mit der Musik, sondern auch indem ihr Leben und ihre Geschichten beschrieben werden. Deshalb ist neben den Musikern immer ein Moderator dabei. Ich betreibe in meiner Wohnung seit fast 30 Jahren einen Salon, der sich mit ganz unterschiedlichen Themen befasst. Meistens tragen da Wissenschaftler vor, aber in letzter Zeit ist es auch ein bisschen musikalisch geworden. Und da ging es eben auch darum, dass beim Zuhören nicht nur die Musik vermittelt wird, sondern man auch etwas über die Menschen erfährt, die dahinterstecken. Die Idee ist allerdings auch, die heutzutage klassische Jazzmusik, insbesondere Swing, Bebop und die folgenden Stile, in Erinnerung zu rufen. Es ist so traurig, dass die jüngeren Musiker die alten Formen des Jazz kaum mehr pflegen – im Gegensatz zur Klassik, wo sich niemand aufregt, dass heute noch Barockmusik gespielt wird, die 400 Jahre alt ist.
Welche Rolle spielt der Veranstaltungsort, das Deutsche Theater?
Ich verfolge mit meiner Jazz-Stiftung auch das Ziel, für diese Musikrichtung, die ja nach wie vor ein Nischendasein führt, Publikum zu gewinnen. Im Deutschen Theater sprechen wir über diesen Ort ein grundsätzlich musikbegeistertes Publikum an, das vielleicht noch nicht so tief im Jazz steckt, aber ein gewisses Interesse mitbringt. Wir haben bei Tisch-Bestuhlung 180 Plätze, bei Theaterbestuhlung sogar 220. Die beiden Auftaktveranstaltungen waren ausverkauft, das Format wurde sehr gut angenommen.
Beim heutigen Jazzsalon wird es um den Pianisten und Komponisten Thelonious Monk gehen. Welche weiteren Jazzgrößen sind eingeplant?
Am 8. Mai beschäftigen wir uns mit Louis Armstrong, dem King of Jazz, und im Herbst wollen wir an Klaus Doldinger erinnern, der dann ein Jahr verstorben sein wird. Dann kommt noch im November John Coltrane zu Gehör. Die Reihe soll aber darüber hinaus fortgesetzt werden. Für 2027 sind schon fünf oder sechs weitere Abende geplant.
Wie sind Sie überhaupt auf die Idee zu Ihrer Jazz-Stiftung gekommen?
Es gibt zwei Aspekte. Das eine ist meine Liebe zum Jazz, die mich seit früher Jugend verfolgt. Und dann hat mich, ehrlich gesagt, die Wertsteigerung, die meine Wohnung seit dem Kauf in den 90er-Jahren erfahren hat, umgehauen. Ich habe gedacht, das sollte der Gesellschaft zugutekommen. Dafür gibt es ja in der Regel zwei Ansätze: Entweder man macht etwas Soziales oder etwas in Richtung Kunstförderung. Die Jazz-Stiftung schlägt gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe. Man macht etwas für diese Kunstrichtung und zugleich etwas für die Musiker, die ja oft ganz schön kämpfen müssen, um zu überleben.
Karten
für den Münchner Jazzsalon „Thelonious Monk“ mit dem Claus Raible Trio feat. Johannes Enders (Musik) und Marcus Wölfle (Moderation) am heutigen Mittwoch gibt es unter Telefon 089/55 23 44 44.