Dass Karin Bergmann für zwei Jahre auf dem Salzburger Thron sitzt, offenbart zweierlei: das perfide Denken der dortigen Landeshauptfrau, die den bisherigen Intendanten Markus Hinterhäuser damit demütigt. Zugleich könnte sich die Personalie als Glücksgriff entpuppen. Schon an Bergmanns erstem Arbeitstag wird deutlich, dass eine andere Atmosphäre herrscht unterm Mönchsberg. Die Kulturmanagerin hat an der Wiener Burg bewiesen, dass sie Ruhe ins Chaos bringen kann. Viel spricht dafür, dass ihr dies auch in Salzburg gelingt. Doch der Fall Hinterhäuser ist damit längst nicht aufgearbeitet.
Was man ihm genau vorwirft, wird wohl nie herauskommen – beide Seiten haben Stillschweigen vereinbart. Hinterhäuser war in jeglicher Hinsicht unbequem, zugleich aber ein herausragender Kulturdenker – und eben ein kantiger bis (zu) harter Künstlertyp. Die Festspiele stehen dank seiner Chef-Jahre gut da, auch finanziell. Es bleibt also das üble Gschmäckle, dass man einen Unbequemen loswerden wollte. Seine Vertragsklausel, die „Wohlverhalten“ einforderte, spiegelt eine toxische Entwicklung wider, nicht nur in Österreich: Kulturschaffende haben sich gefälligst anzupassen und zu funktionieren.
Die Salzburger Landeshauptfrau trifft sich da mit vielen anderen Politikern zwischen USA und Ungarn, auch mit dem deutschen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der schießt sich auf Jurys ein und schließt Institutionen von staatlicher Unterstützung aus. Kulturschaffende also nur noch als wohlfeile Narren, als Garnierung des gesellschaftlichen Lebens – was für ein gefährlicher Irrglaube.