„Wie kommt der auf diesen Blödsinn?“

von Redaktion

Josh über sein viertes Studio-Album, Wiener Schmäh, seine Träume und seine depressive Phase

Josh alias Johannes Sumpich kommt am 18. und 19. Mai in den alten Gasteig. © Philipp Hirtenlehner

Daheim in Österreich ist er ein Mega-Star, mit fünf Amadeus-Awards, mit ausverkaufter Wiener Stadthalle. Aber auch München und Bayern haben sich längst in Josh verliebt – nicht nur wegen seiner Hits „Cordula Grün“ und „Expresso & Tschianti“. Am morgigen Freitag erscheint sein viertes Studio-Album „Wer singt dann Lieder für dich“, auf dem Josh alias Johannes Sumpich wieder eine wunderbar unterhaltsame Mischung aus Schmäh und Melancholie serviert.

Ich sehe im Videochat einen Schnauzer bei Ihnen, der schwer nach 80er-Jahre ausschaut. Sind Sie mit dem neuen Album auf dem Retro-Trip?

Mit einem Lied auf jeden Fall, mit der neuen Single „Vertikal“. Dazu haben wir ein Video im Miami-Vice-Stil gedreht – und dafür waren der Schnauzer und die Vokuhila-Frisur gedacht. Danach muss ich unbedingt wieder zum Friseur. Ich glaube nicht, dass ich das so durchziehen will.

„Vertikal“ ist, ganz positiv gemeint, die durchgeknallteste Nummer. Es geht um einen größenwahnsinnigen Musikproduzenten, und es gibt Sprechteile, in denen es heißt, „Sein Brusthaar duftet nach Lavendel“ oder „Er war der Vorsitzende des örtlichen Solariumvereins“. Wie fällt einem denn so was ein?

Das ist eine von diesen Geschichten, bei der sich jeder fragt: Wie kommt der Typ auf so einen Blödsinn? Aber das hat Riesenspaß gemacht. Diese Aufsager waren alle One-Takes. Ich habe irgend etwas erzählt, und alle fanden es so lustig, dass wir es dringelassen haben.

Wenn jemand Sie näher kennenlernen will – welche zwei Stücke auf der neuen Platte sollte er sich anhören?

„Vertikal“, „Madame Florance“ und „Die letzte Ballade“. Die traurigen, langsamen Songs gehören halt genauso dazu wie die fröhlichen.

Diese Josh-Mischung aus Spaß und Schmerz: Haben Sie dafür Vorbilder?

Das ist schon typisch wienerisch, im Unglück noch einen Schmäh zu machen. Alle haben „Strada del Sole“ von Rainhard Fendrich als großen Spaß begriffen. Aber der arme Kerl steht mutterseelenallein ohne Geld und ohne Pass in der Hitze an der Autobahn. Eigentlich ist er komplett am Arsch, aber der Song klingt nach Bella Italia.

Wie ist das neue Album entstanden? Sie haben erzählt, dass es Ihre entspannteste und lustigste Produktion war, aber auch die arbeitsintensivste.

Ich muss dazu sagen, dass mir die Platte irgendwie passiert ist. Wir wollten im Oktober 2026 ein neues Album fertig haben, also erst in einem halben Jahr. Ich habe dann immer wieder mal einen Song geschrieben. Irgendwann waren es 16 Stücke, und mir ist aufgefallen, dass das eigentlich schon eine Platte ist.

Ein Popmusiker, der früher fertig ist, als er sein sollte. Das klingt schräg.

Sehr ungewöhnlich, das stimmt. Das war der entspannte Teil. Dafür war das Aufnehmen extrem viel Arbeit, weil ich im Studio sehr viel selbst gespielt habe, bestimmt 80 Prozent der Gitarren. Ich habe ja unfassbar gute Musiker um mich herum. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich das selbst spielen will, weil es dann noch authentischer wird. Ich hatte ein total schlechtes Gewissen. Aber die haben mich umarmt und gesagt: Wenn du dir das träumst und wünschst, dann mach das! Es ist dein Album!

Daher kommt also der Country-Vibe in Songs wie „Wer singt dann Lieder für dich“ oder „Sieben Mal im Kreis“. Oder der Bossa Nova von „Sag mir, dass du mich liebst“.

Ich liebe dieses Spielen mit echten, analogen Instrumenten. Wir haben ja irrsinnig viel analoges Equipment im Studio. Wenn mich irgendwer fragt, wo mein Geld ist: Da steckt es drin. Ich sage meiner Frau immer: Wenn’s mal eng wird, können wir das zur Not verkaufen. Aber sie meint dann eh nur: Hör auf mit dem Schmarrn, das machst du nie.

Sie gehen jetzt auch auf Akustik-Solotour, allein mit Gitarre, unter anderem am 18. und 19. Mai in München im alten Gasteig.

Das war noch so ein Traum. Ich wollte mit meinen Songs als Singer-Songwriter allein auf der Bühne stehen, so wie ganz am Anfang, weg vom Popstar Josh. Der Wunsch ist in meiner allerdepressivsten Phase entstanden. Aber wenn du krank bist, geht so was nicht, dafür brauchst du viel Kraft.

Und die haben Sie jetzt?

Ich hoffe es. Ich spiele die Songs teilweise in anderen Tonarten, das braucht ziemlich viel Hirnkapazität. Ich mache mir in die Hosen vor Angst, und ich weiß nicht, was passiert. Aber ich freue mich irrsinnig darauf.

Artikel 2 von 7