In der Auftaktfolge heute kümmert sich Reiser um eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien. © Bauriedl/BR
Wollen sich in der neuen Staffel nicht mehr verstecken: Pfarrer Reiser (Stephan Zinner) und Lisa (Anne Schäfer). © Bauriedl/BR
Mit Superlativen soll man zurückhaltend sein, in dem Fall aber ist einer angebracht: Die erste Staffel von „Himmel, Herrgott, Sakrament“ legte vor zweieinhalb Jahren den erfolgreichsten Serienstart im BR Fernsehen in diesem Jahrtausend hin: Marktanteile von bis zu 27,9 Prozent im Freistaat und über eine Million Zuschauer. Kein Wunder, dass der Bayerische Rundfunk bei Autor und Regisseur Franz Xaver Bogner eine Fortsetzung der Serie rund um den katholischen Pfarrer Hans Reiser (Stephan Zinner) und seine zauberhafte, sagen wir mal Freundin Lisa (Anne Schäfer) bestellte. Ab heute, 20.15 Uhr, laufen die neuen Folgen im BR Fernsehen. Wir trafen Bogner zum Gespräch.
Hat Sie der Erfolg der ersten Staffel überrascht oder haben Sie damit gerechnet?
Damit kann man nicht rechnen, das wäre vermessen. Aber natürlich kann man beglückt darauf reagieren.
Was hat an diesem Erfolg den meisten Anteil? Das Thema, also die Kirche (mit all ihren Herausforderungen), der Autor dahinter (der Kult ist) oder Stephan Zinner als Hauptdarsteller, den die Leute einfach sehr gern sehen?
Ja, der Zinner spielt diese Rolle ganz perfekt, keine Frage. Man glaubt ihm das, was er macht. Er hat dieselbe Direktheit wie der Schießler (gemeint ist Pfarrer Rainer Maria Schießler, auf dessen Buch die Serie basiert). Diese Art, wie der sich als Pfarrer – durchaus raffiniert – gegen die Kirche als Institution wendet, hat mir schon immer gut gefallen. Und vor allen Dingen, wie er gegen den inzwischen nicht mehr zu haltenden Zölibat redet.
Das ist ja das große Thema der Serie: die Liebe des Pfarrers zu einer Frau.
Dieses Mysterium gibt es seit jeher: der Pfarrer und die Frauen. Das war immer schon spannend. Ich glaube aber ganz grundsätzlich, dass unheimlich viele Leute mit der Essenz ihres Glaubens noch nicht fertig sind. Diese ganze Gemeinschaft von Taufschein-Katholiken und alle Austreter aus der Kirche haben mit dem Glauben noch nicht abgeschlossen – mit der Institution Kirche vielleicht schon.
In den neuen Folgen leben der Pfarrer und Lisa ihre Liebe aus.
Ich wollte nach dem Happy End zwischen den beiden am Ende der ersten Staffel nun schauen, wie diese Romanze den Alltag überlebt. Unter dem Label habe ich die neuen Geschichten geschrieben. Und die sind natürlich fiktional, von mir erfunden, und nicht aus dem Buch vom Schießler.
Wie schaffen Sie es, den Geschichten, die Sie erzählen, immer diesen gewissen Bogner-Dreh zu geben?
Da kann ich selber relativ wenig zu sagen, es freut mich aber, wenn jemand sagt, das ist ein Bogner-Film oder so etwas in der Art. Das ist ja wie eine Adelung.
Um was geht es Ihnen beim Filmemachen?
Es geht immer um das Spiel der Personen untereinander. Und in dem Zusammenhang würde ich eine Figur, die ich erfunden habe, niemals für die Geschichte, für die Handlung verraten. Darüber hinaus habe ich auch keine große Lust, super Arschlöcher zu zeigen. Die interessieren mich einfach nicht. Und drittens stehe ich als durchaus sentimental Veranlagter auf Happy Ends. Ich hab gern, dass es gut ausgeht, über alle Schwierigkeiten hinweg.
Sie durften auch die zweite Staffel wieder in der Kirche drehen. Von der Seite gab es also keine Bedenken angesichts des Stoffes?
Komischerweise nicht. Die Kirche hätte es ja leicht in der Hand, mich zu verbieten. Wenn die sagen würde, du drehst hier nicht, wäre es das Ende. Aber das tun sie nicht. Das Ordinariat bekommt die Drehbücher vorab zum Lesen, das haben wir vereinbart. Ich musste aber so gut wie nichts ändern. Ich habe die Menschen dort als sehr konstruktiv empfunden.
Sie sind sich in Ihrer Art, Geschichten zu erzählen, über all die Jahrzehnte treu geblieben. Sie nehmen sich Zeit, vor allem für die Figuren, für das richtige Timing. Fühlen Sie sich von der Art, wie Netflix und Co. Serien drehen, unter Druck gesetzt?
Nein, das tangiert mich nicht. Ich möchte mit meinen Filmen etwas anderes. Ich halte es für sehr schwer, eine gute Komödie zu machen – das ist aber mein Ziel, die Menschen zum Lachen zu bringen. Denn wenn sie lachen, haben sie etwas verstanden, und darum geht es mir. Tragödien interessieren mich nicht.
Wie muss eine Serie sein, damit sie Ihnen als Zuschauer gefällt?
Ich fand beispielsweise „Yellowstone“ gut mit Kevin Costner und Kelly Reilly als seiner Tochter. Vor allem sie spielt gnadenlos gut. Die Art, wie die Serie gedreht ist, hat mir gefallen, zumindest über die ersten sechs, sieben Folgen.
Was ist dann passiert?
Dann habe ich angefangen, mit der Brille des Filmemachers zu schauen und dann ist es vorbei. Dann kann ich mich nicht mehr von der Geschichte fesseln lassen. Aber bis dahin war es gut.