Die Maulwürfe kommen

von Redaktion

Die Salzburger Festspiele stehen vor einem gigantischen Sanierungs-Projekt

Kein Tageslicht gibt es in vielen Räumen der Werkstätten, hier ein Blick in die Elektrotechnik. © Stefan Zauner (2)

Aus den späten Sechzigerjahren stammt die Bühnentechnik in den Festspielhäusern – auch sie muss erneuert werden.

Zwei bis drei Jahre muss das Große Festspielhaus schließen, der Kaufmännische Geschäftsführer Lukas Crepaz betreut das Projekt „Festspielbezirk 2030“. © Peter Rigaud

In Salzburg tut sich was. Und dies nicht hinsichtlich der Diskussionen um den Chefsessel der traditionsreichen Festspiele – wie berichtet wurde Karin Bergmann als Interimsintendantin für den geschassten Markus Hinterhäuser bestellt. Für Aufmerksamkeit sorgt aktuell auch ein großes Bauprojekt mit dem klingenden Namen „Festspielbezirk 2030“. Und anders als etwa beim Münchner Gasteig, wo der Sanierungsbeginn knapp fünf Jahre nach Eröffnung der Interimsspielstätte auf sich warten lässt, sind unsere österreichischen Nachbarn ordentlich am Werkeln.

Sichtbar war in Salzburg zu Ostern bereits das künftige Festspielzentrum am Karajan-Platz, das im Herbst eröffnet werden soll. Ein neuer Begegnungsort für Ausstellungen und Vorträge, aber auch mit kleinem Gastrobetrieb. Der lichtdurchflutete Glasbau markiert allerdings nur die erste von mehreren Großbaustellen, welche die Festspiel-Leitung vor Herausforderungen stellt. Dies betrifft laut dem kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz vor allem die Sanierung der Festspielhäuser, deren Bühnentechnik zum Großteil noch aus den späten 1960er-Jahren stammt.

Dass sich etwas tun muss, war den politisch Verantwortlichen spätestens seit Sommer 2018 klar, als bei einem Konzert von Klavierstar Grigorij Sokolov der berüchtigte Salzburger Schnürlregen durch die Decke des Großen Festspielhauses eindrang. Was in den vorderen Parkettreihen für nasse Füße sorgte und auch nebenan im Haus für Mozart und der Felsenreitschule einen Stromausfall nach sich zog.

Für Salzburg sind die drei Theater am Fuße des Mönchsbergs in mehr als einer Hinsicht unverzichtbar. Schließlich beschert der Kulturtourismus der Stadt jährlich dreistellige Millionenbeträge. Crepaz geht sogar noch weiter und bezeichnet seine Häuser als „kulturelles Herz des Bundeslandes“. Immerhin werden die Gebäude auch jenseits der Festspielzeit ganzjährig mit Gastveranstaltungen bespielt und bieten ein vielseitiges Programm aus unterschiedlichen Genres.

Die immer wieder gern geführte Diskussion um die sogenannten „Dritten Orte“, die ganztägig als Begegnungsstätten dienen sollen, spielt daher für Crepaz keine Rolle. Dafür gäbe es demnächst das neue Festspielzentrum. „Außerdem haben wir mit unserem Freiluft-Foyer in der Hofstallkasse eh schon einen Dritten Ort, der im Sommer nicht nur von den Festspielgästen, sondern auch von der Salzburger Bevölkerung genutzt wird, die hier gern bei einem Getränk etwas Festival-Luft schnuppert.“ Priorität haben für den Kaufmännischen Direktor erst einmal bessere Arbeitsbedingungen in den Probenräumen und in den Werkstätten, die laut Computersimulation nach dem Um- und Neubau mehr Platz, vor allem mehr Tageslicht bieten werden. Zusätzlich wird auch die Anlieferung nicht mehr durch das Nadelöhr in der Hofstallgasse erfolgen, sondern künftig eine neu gegrabene Abzweigung im Neutor-Tunnel nutzen, der für diesen Bauabschnitt gesperrt bleibt.

„Die Rahmenbedingungen für eine Sanierung sind bei uns enden wollend“, sagt Crepaz. „Das historische Stadtzentrum gehört zum Unesco-Welterbe, auch die Festspielhäuser sind denkmalgeschützt. Zur Erweiterung bleibt uns daher nur der Weg in den Mönchsberg hinein. So, wie es schon seit dem 12. Jahrhundert in Salzburg praktiziert wird.“

Die Planung dafür liegt beim Architekturbüro Jabornegg & Pálffy, das die Sanierung schrittweise bei laufendem Betrieb realisieren möchte. Durch die Preissteigerungen der vergangenen Jahre sind auch in Salzburg die ursprünglich beschlossenen 262,8 Millionen allein für die erste Bauphase auf 395 Millionen gestiegen. Umso wichtiger ist es daher, das Großprojekt stramm durchzuziehen und die Kosten nicht durch unnötige Verzögerungen explodieren zu lassen. Finanzielle Auswirkungen dürfte besonders die zwei- bis dreijährige Schließung des Großen Festspielhauses ab 2028 haben. Als Ersatz soll mit einem Budget von rund 35 Millionen Euro ein temporärer Saal im Stadtteil Nonntal entstehen. Allerdings mit geringerer Platzkapazität.

Doch auch dieser Zeit blickt Crepaz gelassen entgegen. „Die Oper verkauft sich natürlich immer sehr gut, aber sie verursacht im Gegensatz zu Konzert oder Schauspiel auch höhere Kosten.“ Ob man dies durch zusätzliche Vorstellungen ausgleicht oder von Regieteams andere kreative Lösungen erwartet, will der Kaufmännische Direktor nicht spekulieren. Das wird ein Prüfstein für die neue Intendanz.TOBIAS HELL

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