Als Exportschlager unserer niederländischen Nachbarn sind hierzulande eher Milchprodukte, Fernsehmoderatoren oder gelegentlich Fußballspieler bekannt. Popmusik mit sehr wenigen Ausnahmen eher nicht – Menschen im Vorruhestandsalter kennen womöglich noch den Geheimtipp The Nits und Fußballfans die Hermes House Band, aber das war es auch schon. Aber nun gibt es seit einigen Jahren das holländische Duo Haevn, das mühelos die Münchner Isarphilharmonie füllt und in Ekstase versetzt.
Wie genau die beiden Herren das mit Hilfe einer sehr fokussierten Band und eines Streichquartetts bewerkstelligen, ist gar nicht so leicht zu erklären. Musikalisch oszilliert das zwischen sphärischem Ambientsound, entspanntem Pop und moderner Folkmusik. So ungefähr – genauer verorten kann man Haevn nicht, es ist ein sehr spezifischer Klang, unverwechselbar.
Thematisch widmet man sich den großen Fragen des Lebens, ohne in Trivialität abzustürzen, was kein kleines Kunststück ist. Ohne große Marketingmaschinerie ist es Haevn gelungen, zu einem globalen Phänomen zu werden, in dem Sinne, dass ihre Musik tatsächlich weltweit Zuhörer findet.
In München spürt man regelrecht, wie begierig das Publikum die Lieder inhaliert, die so beruhigend und euphorisierend gleichzeitig wirken. Die tiefenentspannte Band verbreitet Wohlgefühl und Unaufgeregtheit, was in diesen Tagen durchaus spektakulär genannt werden kann. Zwei Stunden lang nicht von Hyper-Erregung, Irrsinn und bodenloser Dummheit belästigt zu werden, ist mittlerweile Luxus, und die Menschen im Saal honorieren das mit lautstarkem Jubel.
Die Band freut sich, in diesen lauten Zeiten mit ruhiger Musik ein Publikum zu finden. Für die Höhepunkte sorgt der Gastsänger Neco Novellas. Das Stimmwunder aus Mosambik bringt Seele und Schwung in die Lieder. Ein schöner Abend, eine Art Kurzurlaub vom täglichen Wahnsinn, der sich gerade ausbreitet auf diesem Planeten.ZORAN GOJIC