Allein 17 Pfeifen des passionierten Rauchers Günter Grass wurden vom Museum inventarisiert. © Marcus Brandt/dpa
Die Sozialen Netzwerke waren für ihn „technischer Krimpkramp“, der vom Lesen ablenkte: Günter Grass besaß bis zu seinem Tod am 13. April 2015 weder Smartphone noch Computer. Seine Manuskripte schrieb der Nobelpreisträger zunächst mit Füller und tippte sie dann auf seiner „Olivetti“ ab, einer italienischen Schreibmaschine. Grass lebte in einer rein analogen Welt. Er umgab sich mit Gegenständen, die ihn zu seinem umfassenden Werk inspirierten. Entsprechend vielfältig ist sein Nachlass. Ein Teil davon kommt nun ins Günter-Grass-Haus nach Lübeck.
Das Museum kaufte im vergangenen Jahr rund 800 Objekte aus dem Privatbesitz des Künstlers, hinzu kommt seine Bibliothek mit rund 4500 Bänden. Bislang verfügte das Haus über Manuskripte und Zeichnungen, aber kaum über persönliche Gegenstände von Grass. Nun gehören allein 17 Pfeifen des passionierten Rauchers dazu. Auch eine Zigarrendose ist mit einer Inventarnummer versehen. Die ursprünglich darin befindlichen „Wilden Havanas“ sind schon lange geraucht. Stattdessen liegen Steine, Bernsteine, Tierknochen und ein mumifizierter Molch in der Schachtel – alles Fundstücke, die Grass von seinen vielen Spaziergängen mitbrachte. Sie werden für die internationale Forschung digital erfasst und sollen 2027 anlässlich seines 100. Geburtstags im Günter-Grass-Haus in einer Ausstellung gezeigt werden.
In seinem Testament hatte Grass sich einen öffentlichen Träger für sein Privathaus gewünscht, in dem er mit seiner Frau Ute von 1986 bis zu seinem Tod 2015 lebte. Die Lübecker Bürgerschaft stimmte im vergangenen Jahr aus Kostengründen gegen eine Übernahme. Mittlerweile steht die kleine Villa samt Nebengebäude für 1,6 Millionen Euro zum Verkauf. Dass sein Nachlass für die künftige Forschung aufbereitet wird, würde Grass aber vermutlich freuen. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung machte er sich zu Lebzeiten Gedanken darüber, was von seinem Werk bleiben würde. „Gibt es noch Leser, gibt es noch Menschen, die neugierig sind, sich mit einem Buch allein zu befinden?“, fragte Günter Grass 2011 in einem Interview.NADINE HEGGEN