UNSERE KURZKRITIKEN

Behutsame Porträts

von Redaktion

Drei Porträts sind in diesem schmalen Bändchen versammelt. Mehr nicht. Drei Porträts – und doch entdeckt Barbara Honigmann wichtige Aspekte der Geschichte des 20. Jahrhunderts in diesen Texten, in denen sie behutsam Biografien nachzeichnet. Die Autorin, 1949 in Ostberlin geboren, berichtet unaufgeregt, aber nie empathielos vom Leben der Freunde ihrer Eltern, die den Nazis ebenso entkamen wie Stalins Schergen. Es waren junge jüdische Intellektuelle, die den Kommunismus für den richtigen Weg hielten – und dafür oft teuer bezahlen mussten, aber manchmal auch Auswege fanden. Mischka, deren Name dem Buch den Titel gab, brachte in ihrer Moskauer Wohnung in den Siebzigerjahren Dichter und Dissidenten zusammen. In Honigmanns gewissenhaften Beobachtungen blitzt immer wieder auf, was möglich ist, wenn sich die Menschen auf ihr Menschsein besinnen. Ein Buch, das berührt und Mut macht.LEIC

Barbara Honigmann:

„Mischka“. Hanser, 112 Seiten; 22 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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