PREMIERE

Nostalgisches vom Nockherberg

von Redaktion

Richard Oehmann stellt in der Lach&Schieß seine „Derbleckereien“ vor

Ein begnadeter Verseschmied: Richard Oehmann präsentierte in der Lach&Schieß ein Best-of seiner Nockherberg-Singspiele. © Rudolf Ogiermann

Ein Höhepunkt: Angela Merkel und Martin Schulz im Singspiel. © Tobias Hase

Hubert Aiwanger erinnert sich nicht an seine Jugendsünden, Katharina Schulze trällert „Sorry, sorry, SPD“, Dieter Reiter langweilt sich im Amt – das klingt nach politischem Kabarett, wenn auch mit nostalgischem Touch. Es ist tatsächlich Kabarett, aber ein ganz spezielles, denn es handelt sich hier um Szenen und Lieder aus diversen Singspielen vom traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg. Richard Oehmann, seit 2018 zusammen mit Stefan Betz Autor und Regisseur dieser satirischen Mini-Musicals, präsentierte dieses Best-of am Samstagabend in der neuen Lach- und Schießgesellschaft im Fat Cat, dem alten Gasteig.

Machen wir uns nichts vor, eine Ein-Mann-Show ersetzt noch kein Ensemble, Kostüme und Bühnenbild muss man sich jeweils dazudenken, doch Oehmann, für die Bühne gestählt durch Auftritte mit „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“, wechselt virtuos die Rollen, seine Ad-hoc-Parodien haben Charme, sie wirken durch ihre Inhalte. Der 59-Jährige ist ein begnadeter Verseschmied, was sich hier reimt, trifft auf den (wunden) Punkt.

Im Zentrum stehen Texte aus dem wegen des Überfalls Russlands auf die Ukraine ausgefallenen Singspiel von 2022. Schauplatz ist eine Geisterbahn (Motto: „Fahr zur Hölle“), die Handlung enthält Elemente der legendären Filmtrilogie „Zurück in die Zukunft“, mit Edmund Stoiber als Doc Brown, der seinen Nach-Nach-Nachfolger Markus Söder zu einer Reise in die Vergangenheit überredet. Was für ein vielsagendes Bild.

Es gibt Grusel im Minutentakt, die Ampel leuchtet noch einmal auf – mit Olaf Scholz, der Antworten ankündigt, Annalena Baerbock, die immer nur „Wo ist Robert?“ gefragt wird, und Christian Lindner, der fleißig übt, ein beliebter Politiker zu werden. Und immer wieder Söder, sein (damaliger) devoter Generalsekretär Markus Blume und Übervater Stoiber. Am Ende erstarren alle zu Puppen an der Fassade der Geisterbahn, dazu erklingt „Ein Prosit der Gemütlichkeit“.

Der (große) Rest sind Höhepunkte aus Singspielen der Jahre 2017 bis 2025, mit – unter anderem – einem Duett von Angela Merkel und Martin Schulz („Wir sind uns immer noch gut“), einem bitterbösen Couplet über Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und ihr „bayerisches Tierwohlprinzip“ sowie – ein besonderes Schmankerl – ein Lied über Hubert Aiwangers spezielle Kochkünste: „Dann mach‘ ich eine Brennsuppn – und schwimm darauf herum…“).

„Ist leider kein Wiesnhit geworden“, bedauert Richard Oehmann. Die Stimmung in der Lach- und Schießgesellschaft ist trotzdem bestens. Einen Stapel Papier so zum Leben zu erwecken, dass hier und da sogar rhythmisch geklatscht und mitgesungen wird – das muss man erst mal hinkriegen.RUDOLF OGIERMANN

Nächste Vorstellung

am 13. Oktober, 19.30 Uhr, im Vereinsheim; Karten online unter www.vereinsheim.net.

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