Der Blues-Besessene

von Redaktion

Rock-Legende Eric Clapton spielt in der Münchner Olympiahalle

Lässt seine Gitarre singen: Eric Clapton auf der Bühne. © Georg Hochmuth/AFP

Er gehört zu den großen Legenden der Rockmusik und inspirierte Legionen von Gitarristen. Und auch mit 81 Jahren bringt Eric Clapton seine Songs noch auf die Bühnen dieser Welt. Am 17. Mai gastiert „Slowhand“ in der Münchner Olympiahalle.

Eigentlich ist Clapton ja vom Blues besessen, doch dafür hat er ein erstaunliches Händchen für eingängige Pop-Hits – von „Sunshine of your Love“, das er Ende der Sechziger mit der Band Cream aufnahm, über „Layla“, „Lay down Sally“ und „Wonderful tonight“ bis „Pretending“. Auch als Interpret fremder Songs war er zuverlässiger Gast in den Hitparaden (J.J. Cales „After Midnight“ und „Cocaine“ sowie „I shot the Sheriff“ von Bob Marley sind die prominentesten Beispiele). Auf die meisten dieser Songs dürfen sich die Fans auch in München freuen. Zudem spielt Clapton Songs aus dem aktuellen Album „Meanwhile“.

Aufgewachsen ohne Mutter im Nachkriegsengland, konnte sich der junge Eric mit einer Musik identifizieren, die Jahrzehnte zuvor im Mississippi-Delta von der bitterarmen schwarzen Bevölkerung gespielt worden war. Besonders Robert Johnson und seine Zwölftakt-Moritaten hatten es ihm angetan. Der „Crossroads Blues“ wurde Claptons Schlüsselstück, das er immer wieder aufnehmen sollte – mit Bluesern wie B. B. King verband ihn eine Freundschaft.

Der Gitarrist war 21 Jahre alt, als erstmals der Schriftzug „Clapton is God“ in einer Londoner U-Bahn-Station auftauchte. Der schüchterne, immens talentierte Jüngling, dem damit gehuldigt wurde, hatte freilich so gar nichts Gottgleiches an sich. Das hat Clapton bis heute nicht, wo er ein millionenschwerer, gleich dreimal in der Rock’n’Roll Hall of Fame verewigter Star ist. Er hatte zu kämpfen in seinem Leben – mit Alkohol- und Drogenproblemen (und den damit verbundenen Dummheiten), mit dem Tod seines Sohnes Connor, dem er das Lied „Tears in Heaven“ widmete. Mit Aggression und mit Angststörungen. Während der Corona-Pandemie rastete er aus, verglich die angeordneten Maßnahmen mit der Sklaverei. Sogar seine Freunde riefen ihn da zur Mäßigung auf.

Er hat sich stets wieder gefangen. Denn der Blues ist Claptons Therapeut, wenn er seine geliebte Stratocaster „Blackie“ mit unnachahmlichem Vibrato singen lässt. Das Beste daran: Diese Therapie hilft auch beim Zuhören.JOHANNES LÖHR

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