Ronnie James Dio im Jahr 2007. © dpa Picture-Alliance
Kann man als Heavy-Metal-Band einen Sänger wie Ozzy Osbourne ersetzen? Unmöglich – es sei denn, man hat Ronnie James Dio zur Hand. Black Sabbath hatten 1980 unverschämtes Glück, als sie nach kreativer Durststrecke den dysfunktionalen Ozzy vor die Tür setzten und eigentlich vor dem Aus standen. Dio war bei der Band Rainbow ausgestiegen, traute sich den Job zu – und drückte den Hardrock-Helden auf der LP „Heaven and Hell“ gleich seinen Stempel auf.
Rolle vorwärts ins Jahr 2007: Dio und der Rest der Sabbath-Bande wollten es noch mal miteinander versuchen. Nicht unter dem Namen des alten Schlachtschiffs zwar (dem schoben Ozzy und Gattin Sharon Osbourne einen Riegel vor) – aber Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Schlagzeuger Vinny Appice ließen auf dem Album „The Devil You Know“ (2009) den alten Geist von „Heaven and Hell“ aufleben, also nannten sie ihr Projekt gleich so. Es sollte das letzte Werk von Ronnie James Dio sein, der 2010 einem Magenkrebsleiden erlag.
Nun ist das Album in einem Boxset wiederveröffentlicht worden, zusammen mit Konzertaufnahmen vom Wacken Open Air (2009) und aus der Radio City Music Hall (2007). Eine echte Wiederentdeckung: Iommi legt auf der selbst für Sabbath-Verhältnisse düsteren Studio-LP seine Fräse-Gitarre noch mal tiefer. „Atom and evil“, „Bible Black“ und „Breaking into Heaven“ fließen zäh wie Stahl aus dem Hochofen. Live lässt Dio dagegen bei „Neon Knights“ und „Die young“ noch mal die Drachen fliegen.
Natürlich ist Ozzy selig für Black Sabbath letztlich unersetzlich gewesen – und 2011 fand die Originalbesetzung dann wieder zusammen. Die Qualität von „Heaven and Hell“ hat sie freilich nicht mehr erreicht.JOHANNES LÖHR
Heaven and Hell:
„Breaking out of Heaven
2007-2009“ (BMG)