Reif für den Reggae

von Redaktion

Peter Cornelius wirft im Deutschen Theater seine Jukebox an

Die alten Hits spielt Peter Cornelius schon auch – aber anders als gewohnt. © Jörg Heinrich

Wer zu Peter Cornelius ins Konzert geht, bekommt gleich drei Stars auf einmal – den mit den alten Hits, die süß wie Prater-Zuckerwatte klingen, den bisweilen auch zornigen Rocksänger von heute und den Gitarristen, der sein Handwerk meisterlich beherrscht. Es hat sich also gelohnt, zum Konzert von Österreichs Pop-Legende ins ausverkaufte Deutsche Theater in München zu kommen. Auch wenn sich mancher alte Fan gedacht haben dürfte: „Du entschuldige, I kenn di ned.“

Denn natürlich macht ein Peter Cornelius mit 75 andere Musik als der Wiener Bub, der mit 22 auf seiner „Wolk’n“ schwebte. Wobei: Die alten Hits spielt er schon auch – aber anders als gewohnt. Da gibt es die „Wolk’n“ nicht mehr mit gefälligem Orchester-Arrangement zu hören, sondern als erdige Louisiana-Version mit Cornelius an der Slide-Gitarre. „So war das ursprünglich auch gedacht“, verrät er.

Auch wenn er manchmal ein bisserl grantig schaut, merkt man Cornelius die kindliche Freude an, seine Klassiker auseinanderzunehmen, neu zusammenzuschrauben und heute noch spannend klingen zu lassen. „Eine Reise durch die Jahrhunderte“ nennt er das, wenn „Reif für die Insel“ nach Reggae klingt oder wenn er bei „Ganz Wien hat den Blues“ seine Herzensmusik zelebriert. Auch neuere Songs wie „Wenn der Wind zum Sturm wird“ begeistern mit enorm viel Dampf. Die ganz großen Lausbubenstückerl wie den „Calafati“ oder den Gang ins „Caféhaus“ lässt er weg – schade, aber sie würden vielleicht auch nicht mehr so recht zum gereiften Cornelius passen. Doch als er am Ende seine große Jukebox anwirft, mit „Der Kaffee ist fertig“, mit „Bevor i geh“ oder „Segel im Wind“, singt das ganze Theater glückselig mit. Und bei der allerletzten Zugabe, beim Schwarm aus der Schule mit den „Aug’n so blau“ – da kennen ihn die Fans garantiert wieder, ihren Peter.JÖRG HEINRICH

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