Mit großer Sorgfalt

von Redaktion

Manfred Honeck bei den BR-Symphonikern

Live bleibt live. Und das bedeutet im Konzertbetrieb manchmal eben auch Improvisieren. Vor allem dann, wenn die vorgesehene Dirigentin kurzfristig ausfällt. Nach der Absage von Joana Mallwitz blieb beim BR-Symphonieorchester dieses Mal etwa nur noch ein Drittel des angekündigten Programms. Denn um es dem Retter Manfred Honeck ein wenig leichter zu machen, waren Hindemith und Weill flott durch Haydns Sinfonie Nr. 93 und Beethovens Siebte ausgetauscht worden.

Obwohl es sich dabei um Standardwerke handelte, die sowohl der Dirigent als auch das Orchester mehr oder weniger im Schlaf draufhaben dürften, wurde hier dennoch keine Note einfach aus dem Ärmel geschüttelt, sondern die Musik mit der nötigen Sorgfalt behandelt. Beim Haydn zunächst mit ungewohnt sattem Klang, aber spätestens bei Beethoven durften die Streicher ein weiteres Mal ihre Pianissimo-Qualitäten ausspielen. Honeck arbeitete bei seiner Lesart der Siebten mit scharfen Kontrasten, die besonders dem Trauermarsch noch einmal eine zusätzliche Tiefe gaben. Ohne Zweifel das emotionale Zentrum dieser Interpretation. Gefolgt von einem zackigen Scherzo, das Honeck als Sprungbrett für das in seiner Intensität noch einmal gesteigerte Finale diente.

Vom ursprünglichen Plan war lediglich Prokofjews Violinkonzert Nr. 2 übrig geblieben, mit dem man hier Konzertmeister Radoslaw Szulc als Solist ins Rampenlicht rückte. Selbst, wenn es sich dabei nicht unbedingt um das dankbarste Werk des Komponisten handelte, ließ Szulc sein Instrument da vor allem im dritten Satz singen, wofür er auch von seinen Kolleginnen und Kollegen anerkennenden Applaus erntete.TOBIAS HELL

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