Mit ungebremster Spielfreude

von Redaktion

Das Münchener Kammerorchester präsentiert sich in seiner Ur-Form im Prinzregententheater

In seiner „Ur-Form“, als reines Streicherorchester ohne Dirigenten, präsentierte sich das Münchener Kammerorchester (MKO) beim 7. Abokonzert am Donnerstag im vollen Prinzregententheater. Da die in solchem Fall impulsgebende Primgeigerin des MKO in Elternzeit ist, nahm als Gast Florian Donderer, Primarius des Signum Quartetts und ehemals Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, am ersten Pult Platz. Auch Piotr Anderszewski, der renommierte Pianist aus Warschau, lenkte vom Flügel aus die Geschicke in Beethovens erstem Klavierkonzert C-Dur.

Das gelang, nach dezentem Auftakt, als geradezu lebenspralles Vergnügen, zumindest in den Ecksätzen. Anderszewski agierte am deckellosen Flügel höchst präsent, frisch und gut strukturiert. Dabei kostete er die Kontraste aus, setzte auf kleine Knalleffekte mit dem Orchester und im kantablen Largo auf die Korrespondenz mit dem Holz (Klarinette). Auch das knackige Rondo verriet ungebremste Spielfreude – bei allen Akteuren – und begeisterte das Publikum.

Eröffnet hatten den Abend elf Geigerinnen und Geiger, die einen „Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureș“ anstimmten. Der aus Triest stammende Fabio Nieder hat das fragile Gebilde als Auftragswerk fürs Münchener Kammerorchester komponiert und durfte sich nach der Uraufführung über viel Beifall freuen. Das Violin-Ensemble schuf dabei ein klingendes Kaleidoskop, zuweilen bereichert von kleinen Glöckchen. Auch die amerikanische Komponistin Jessie Montgomery hat ihr 2006 entstandenes Werk „Strom“ (Klimpern) als Streichquintett konzipiert, aber 2012 auch für Streichorchester gesetzt. Die MKO-Streicher – und auch die Zuhörer – hatten ihre Freude an dem süffigen Stück, in dem Pizzicati und Legati sich effektvoll überlagerten und Witz und Gefühl aufschienen. Danach diente Prokofjews Symphonie classique als herrlicher Rausschmeißer – ganz im Sinne des Komponisten mit Haydnschem Humor und tänzerischem Schwung ausgestattet. Pure Freude.GABRIELE LUSTER

Artikel 10 von 11