PREMIERE

Quietschvergnügt

von Redaktion

Das Münchner GOP unterhält mit „Seasons“ – und plant eine Außenterrasse

Tolle Truppe: die kanadische Compagnie Flip Fabrique. © Herbert Frohn

Oliver Fisch, neuer Chef des GOP, bringt frischen Wind ins Münchner Parade-Varieté. Bald gibt es eine Außenterrasse mit Bewirtung hinter dem Theater in der Thierschstraße. Und die zuletzt doch etwas unbequem gewordene Bestuhlung wird komplett erneuert. Fans können sich die Altmöbel am 27. April zwischen 10 und 14 Uhr kostenlos abholen. Auch in Sachen Shows – die die GOP-Gruppe bundesweit produziert – hat Fisch Glück und einen guten Lauf. Nach dem fabelhaften Jahresauftakt mit „Hotspot“ folgt jetzt mit „Seasons“ ein ganz anderes, aber ebenfalls sehr unterhaltsames Programm.

Dabei spielt das Verbale dieses Mal kaum eine Rolle. Die neun Artistinnen und Artisten der kanadischen Compagnie Flip Fabrique aus Québec lassen ihre Kunststücke und ihren Humor für sich sprechen. Varieté-Connaisseure wissen: Aus Kanada kommen stets bunte, quietschvergnügte und überaus sportliche Programme.

Dieses Versprechen hält „Seasons“. Es geht, der Name deutet es an, um die vier Jahreszeiten. Das Programm startet im Frühling, in dem das Ensemble zeigt, wie man auf Tetris-Steinen balanciert. Im Sommer folgt Schabernack mit großen Gymnastikbällen, im Herbst bringt ein Taschenlampenballett Licht ins Dunkel. Und im Winter fliegen an der Trampolin-Wand die Schneeflocken.

Ob Valérie Bédard mit den Hula Hoops, Rémi Orset auf dem Einrad mit Beifahrerin im Rucksack oder Ania Lewandowska mit ihrer zauberhaften Nummer am Vertikaltuch – die vier GOP-Jahreszeiten sind so abwechslungsreich wie die Antonio Vivaldis. Auch wenn man zugeben muss, dass Frühlingserwachen und Sommerhitze vor der Pause mehr Spaß machen als Herbst und Winter in der zweiten Hälfte – aber das ist im richtigen Leben ja auch nicht anders. Apropos Vivaldi: Bei der Musik liegt „Seasons“ leider daneben. Statt totgenudelter Mitklatsch-Hits wie Nenas „99 Luftballons“, „Daddy Cool“ von Boney M. oder „Schifoan“ von Wolfgang Ambros würde spannender kanadischer Avantgarde-Sound wesentlich besser passen. Das wunderbare „Février“ von Vincent Vallières zur winterlichen Schneeballschlacht zeigt, wie es geht.JÖRG HEINRICH

Weitere Vorstellungen

bis 12. Juli; Tickets und Termine unter variete.de oder
Telefon 089/210 28 84 44.

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