Freund der Farben

von Redaktion

„Paul Klee – Der Poet des Blauen Reiter“ im Schlossmuseum Murnau

Ausgangspunkt der Schau in Murnau ist das Aquarell „Hammamet“ von 1914. © kk-Privatsammlung

„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen“, schreibt Paul Klee (1879-1940) und beschreibt damit das einschneidende Ergebnis seiner Tunisreise mit seinem Spezi Louis Moilliet und August Macke: dass er zum Maler wurde. „Er hat sich ja früher als Grafiker gesehen“, merkt Sandra Uhrig an, Chefin des Murnauer Schlossmuseums. Deswegen sei für sie auch das Aquarell „Hammamet“ von 1914 der Ausgangspunkt der Ausstellung „Paul Klee – Der Poet des Blauen Reiter“. Wer den ersten Raum der Präsentation betritt, ist sofort gefangen von der Leuchtkraft der Klee-Bilder und kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass der Mann jemals mit Farbe fremdelte.

Sie rückte ihm doch in München bereits Ende 1911 in Gestalt der Blauen Reiter von Marianne von Werefkin bis Wassily Kandinsky zu Leibe. Sie hatten die Farbe von der Leine gelassen und präsentierten sich als Publikums-Schocker bei der ersten Ausstellung der Redaktion des Blauen Reiter; bei der zweiten, Ende 1912, war Klee dann dabei. Nun in Murnau, übrigens Geburtsort des Almanachs „Der Blaue Reiter“, liegt also der Schwerpunkt auf dem Dialog des Schweizers mit seinen Kolleginnen und Kollegen, die in München und Murnau den Sprung in die Avantgarde taten.

Deswegen funkeln in der Schau neben den Klee-Arbeiten Gabriele Münters und Werefkins Landschaften, Alexej Jawlenskys Frauenantlitz und Abstraktes von Robert Delaunay (enorm einflussreich für die Gruppe), ein schräg-satirischer Lyonel Feininger und ein schräg-abgründiger Alfred Kubin, der melancholische Macke und der packende Kandinsky, aber auch hingekuschelte Tiere von Franz Marc. Dieser Reigen macht, ohne ein Wort verlieren zu müssen, klar, dass der Blaue Reiter keine Stil-Diktatur war, sondern Vielfalt nicht nur zuließ, sondern geradezu forderte. Paul Klee war einer von ihnen – und doch ein ganz Eigener. So viele Aquarelle man von ihm bereits bewundert hat, ist man jedes Mal wieder fassungslos, dass er solch stupende Meisterwerke in dieser schweren Technik zustande gebracht hat. Allein die Farbintensität hier, die Farbschichtungs-Delikatesse dort! Und sein Humor! Diese Fantasie! Er schneidet ein Blatt sogar mitten in einer Figur auseinander, um es, anders komponiert, wieder zusammenzusetzen. Das muss man gesehen haben, denn keine noch so gute Abbildung vermag diese Fülle im Feinen, im Witz, in der Genialität wiederzugeben.

Da das Team des Schlossmuseums durch seine exzellente Arbeit auf exzellente Sammler bauen darf, half das Sammlerpaar – es hatte 2023 die KK-Stiftung Murnau initiiert – erneut. Kurz: Es gibt mehr Klee; darunter auch Werke, die nach der Blauen-Reiter-Zeit entstanden, etwa die magischen Blumen-Ölbilder aus den Zwanzigern oder die Großflächigkeit atmenden Gemälde, die er seinen kranken Händen abtrotzte, kurz vor seinem Tod.SIMONE DATTENBERGER

Bis 26. November

Di.-So. 10-17 Uhr,
Schloßhof 2-5, Murnau,
Telefon 08841/47 62 07;
Katalog: 20 Euro.

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