„Wir machen weiter“

von Redaktion

„Radikal jung“ am Volkstheater startet mit „Antigone“ und „Opera of Hope“

Wir sind verwoben mit der Welt und ihrer Geschichte: Davon erzählt „Opera of Hope“. © Fabian Hammerl

Bei Jubiläen wird gern palavert. Ein Glück, dass „Radikal jung“ schon immer anders war, und das seit seiner Gründung damals noch im alten Volkstheater an der Brienner Straße. Zur 20. Ausgabe des „Festivals für junge Regie“ sprechen am Freitag im Volkstheater also nur Münchens Kulturreferent Marek Wiechers und Intendant Christian Stückl, auf dessen Idee dieses herrliche Theaterspektakel zurückgeht.

Ersterer macht in wenigen Worten die enorme Bedeutung von Kunst und Kultur deutlich. „Wir brauchen in unserer Gesellschaft junge, meinungsstarke, demokratische Perspektiven – auch und erst recht im Theater“, fordert Wiechers. „Radikal jung“ setze dies um – und zwar „radikal gut“, sprachspielt der Referent. Und für den Hausherrn und Gastgeber Stückl ist klar: „Wir hören mit dem Festival nicht auf. Auch wenn die Stadtkasse gerade klamm ist.“ Eine sehr gute Nachricht für alle Theaterfans, die dafür gesorgt haben, dass (fast) alle Produktionen des Eröffnungswochenendes ausverkauft waren.

Zwölf Inszenierungen hat die Jury heuer eingeladen – bis zum 3. Mai sind sie auf den drei Bühnen an der Tumblinger Straße zu erleben und konkurrieren um den mit 4000 Euro dotierten Publikumspreis, der seit jeher vom Volkstheater-Freundesverein gestiftet wird.

Bedauerlicherweise war der Auftakt in diesem Jahr schwach: Mikheil Charkvianis Inszenierung von „Antigone“, als Gastspiel vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden, kommt selten über Manierismen und technischen Schnickschnack hinaus. Der Regisseur, der sich in seiner Heimat Georgien gegen die prorussische Regierung engagiert, liest Sophokles als Blaupause für (weiblichen) Widerstand gegen autokratische Systeme. Kann man machen. Das Beste des Abends ist das Bühnenbild: zwölf Klaviere, die Machthaber Kreon malträtiert, auf denen aber vor allem Kompositionen von Erekle Getsadze gespielt werden, den die georgische Regierung 2025 auf Druck des Kremls ins Exil gezwungen hat. Das Problem ist, dass das Wiesbadener Ensemble sprachlich mit Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung der Tragödie nicht klarkommt. Schade.

Ganz anders „Opera of Hope“ am Samstag, eine Kampnagel-Produktion. Die Hamburger Regisseurin Mable Preach erzählt die Flucht ihrer Familie aus Ghana – mit den Mitteln der Oper, des Tanzes, des Erzähltheaters. Aus Streicherklängen und Beats, aus Gospel und Pop kreiert ihr Ensemble mit Verve eine berührende, allgemeingültige Geschichte über das, was Menschen ausmacht. Heftiger Jubel.MICHAEL SCHLEICHER

„Radikal jung“

läuft bis zum 3. Mai; alle Termine und Tickets unter muenchner-volkstheater.de.

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