Der Star ist die Band: 5 Seconds of Summer in der Münchner Olympiahalle. © Martin Hangen
Auf einem Level mit den Beatles? Was die australische Popband 5 Seconds of Summer auf der Konzertleinwand über sich selbst behauptet, ist auf den ersten Blick Majestätsbeleidigung. Bei genauem Hinsehen zeigt sich aber der feine Humor, den die selbst ernannte „beste Boygroup der Welt“ in ihrer Satireshow in der Münchner Olympiahalle zelebriert. Kurze Videos, die an eine NetflixDoku erinnern, teilen den Abend in sechs Kapitel auf. Im Zentrum steht die überspitzt erzählte Geschichte von 5 Seconds of Summer, die im Schatten der britischen Superstars One Direction groß wurden und sich nun vom Boygroup-Image emanzipieren wollen.
Schon das Bühnenbild ist ein Statement: Ein riesiger Curved-Bildschirm über den Köpfen sorgt für beeindruckende Videosequenzen. Der weitläufige, halbrunde Laufsteg ist mit LED-Streifen ausgestattet, die um die Wette blitzen und auf den Handyvideos der Fans für grandiose Effekte sorgen. Das Drumset von Ashton Irwin thront auf einer Limousine, während seine Bandkollegen munter den Laufsteg auf und ab tigern. Die Halle ist fest in der Hand vieler weiblicher junger Frauen, die ihr Glück kaum fassen können, den Idolen so nahe zu kommen. Immer wieder ist lautes Kreischen zu hören, wenn einer der vier Musiker nahe an die Fans herantritt. Der Star ist jedoch die Band. Luke Hemmings übernimmt zwar die meisten Gesangsparts, aber gemäß dem Boyband-Prinzip singen auch die drei anderen immer wieder Strophen. Stimmlich fällt hier keiner ab, haben doch alle vier inzwischen auch erfolgreiche Solo-Karrieren. Geschickt werden diese im zweiten Teil des Konzertabends beworben, denn jedes Bandmitglied darf einen seiner eigenen Songs anspielen. Die Olympiahalle ist nicht weniger textsicher und singt die Refrains begeistert mit.
Musikalisch bietet die Band Pop-Rock von der Stange, der allerdings live keineswegs so glattgebügelt wird wie auf den Studioaufnahmen. Der satte Gitarren-Sound geht in die Beine, sodass auch auf den Rängen keiner mehr still sitzt. Die Show kann sich sehen lassen, denn mehrmals wird die Konfettikanone angeworfen und bei „She’s so perfect“ fliegen große pinke Gummibälle durch die Halle. Auf der Bühne bekommen die Australier einen fiktiven „Boygroup des Jahres“-Preis überreicht, der an den WM-Pokal erinnert. Passend dazu folgt die Nummer „Boyband“, die von ohrenbetäubendem Jubel begleitet wird. Zwischendurch streut die Band kleine Anekdoten und glänzt mit Ortskenntnis: „Im Namen der ganzen Welt bedanken wir uns bei euch für die Erfindung des Biergartens!“
„Youngblood“ beendet einen rauschenden Abend und saugt noch einmal alle Kraftreserven der Fans auf: Zum Refrain springen fast alle begeistert im Takt mit. Erschöpft, aber glücklich bedanken sich 5 Seconds of Summer für so viel Fanliebe und verabschieden sich nicht ohne ein Versprechen: „München, wir kommen zurück!“MICHAEL HELLSTERN