UNSERE KURZKRITIKEN

Mit leiser Wucht

von Redaktion

„Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats“ lautete das Urteil. Die Nazis ermordeten Liane Berkowitz am 5. August 1943. Sie hatte in Berlin Klebezettel gegen das Regime verteilt. „Ständige Ausstellung – Das Naziparadies – Krieg – Hunger – Lüge – Gestapo – Wie lange noch?“ war darauf zu lesen. Nach ihrem erfolgreichen Debütroman „Isidor“ erzählt Shelly Kupferberg nun diese Geschichte aus ungewöhnlicher Perspektive. Im Zentrum ihres neuen Buchs „Stunden wie Tage“ steht Martha, Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus, das Lianes Stiefvater gehört. Martha kennt das Mädchen von Kindheit an. In 56 Kapiteln schildert Kupferberg schlaglichtartig, doch voller Empathie das Leben im Berlin der 1940er-Jahre. Und sie berichtet en passant von der Zunahme des NS-Terrors. Ein leises Buch, das enorme Wucht entfaltet. Am Mittwoch, 19 Uhr, stellt Kupferberg ihren Roman im Literaturhaus vor (Karten: 0761/88 84 99 99 oder literaturhaus-muenchen.reservix.de).LEIC

Shelly Kupferberg:

„Stunden wie Tage“. Diogenes, 272 Seiten; 25 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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