Eine Oper ist uns Johannes Brahms schuldig geblieben. An dramatischem Talent mangelte es ihm aber definitiv nicht –dafür ließe sich Tenor Daniel Behle als Zeuge aufrufen. Der hatte für seinen Beitrag zur Jubiläumsausgabe von „Stars & Rising Stars“ Brahms‘ „Die schöne Magelone“ ausgewählt und den Liederzyklus gleich auf mehrere Stimmen verteilt. Wodurch die mittelalterliche Geschichte um den Grafen Peter und seine Liebe eine zusätzliche theatralische Note erhielt.
Den Großteil des Zyklus schulterte Behle im Künstlerhaus am Lenbachplatz selbst. Wobei er sich meist jene Nummern herausgepickt hatte, in denen der männliche Protagonist sehnsüchtig von Magelones Schönheit schwärmt oder melancholisch den Trennungsschmerz besingt. Und natürlich zeigte sich der versierte Liedspezialist hier ganz in seinem Element. Schlank im Ton und klar in der Diktion. Im Fokus steht bei „Stars & Rising Stars“ aber vor allem die Förderung des Nachwuchses. Weshalb die ersten Episoden, in denen der junge Held mutig in die Welt hinauszieht, zunächst Jeffrey Herminghaus gehörten. Eine Rolle, in der sich der junge Bariton mit kräftiger Intonation hörbar wohlfühlte. Ebenso wie Idunnu Münch, die mit Opernattitüde die Frauenfiguren der Erzählung verkörpert und dafür jeweils eigene Farben in ihrem sonoren Mezzosopran entdeckte. Sei es für die Amme, die verführerische Sultanstochter, oder für die Titelheldin.
Die rahmenden Prosa-Texte von Ludwig Tieck hatte man dagegen Schülerinnen und Schülern des Wilhelmsgymnasiums anvertraut. Ein durchaus spannender Einfall, um den oft mit Klischeevorstellungen behafteten Liedgesang fürs 21. Jahrhundert zu entstauben. Denn aus dem Mund der GenAlpha entfaltete die blumige Sprache der Hochromantik eine ähnliche Wirkung wie das Shakespeare-Englisch in Baz Luhrmanns poppig-moderner „Romeo und Julia“ Verfilmung.TOBIAS HELL