Münchnerin mischt Biennale auf

von Redaktion

Irina Revina-Hofmann demonstriert in Venedig mit Pussy Riot vor dem russischen Pavillon

Sorgte für eine Überraschung: Irina Revina-Hofmann (60) demonstrierte in Venedig.

Lautstarker Protest in Venedig: Die Aktivistinnen von Pussy Riot demonstrieren gegen die Teilnahme Russland an der internationalen Kunstausstellung. © afp, api

Es musste schnell gehen, sehr schnell. Denn die Sicherheitskräfte auf dem Ausstellungsgelände der Giardini in Venedig fackeln nicht lange, erst recht nicht vor dem russischen Pavillon.

Dort mischte sich am Mittwoch Punkt elf Uhr die Münchnerin Irina Revina-Hofmann mit Pussy Riot, der feministischen Punkband, die sich mit ihren spektakulären Auftritten gegen das autoritäre Regime Putins wendet. Revina-Hofmann ist seit Langem mit den Aktivistinnen befreundet, per WhatsApp verabredeten sie sich zur Blitzaktion in Venedig. Denn: Die Biennale-Leitung ließ die Teilnahme Russlands an der Internationalen Kunstausstellung zu, erstmals wieder seit 2022.

Dass Russland jetzt wieder diesen Raum bekommt, ist für Irina Revina-Hofmann schier unerträglich. Seit Jahren kämpft die 60-Jährige, die mit einem vermögenden Münchner Unternehmer verheiratet ist, gegen Putin, seine Propaganda und den sinnlosen Krieg gegen die Ukraine. „Man darf sich nicht an das Morden und den Krieg in der Ukraine gewöhnen“, sagt sie. In München legt sie Blumen unweit des russischen Generalkonsulats nieder, vor Bildern mit dem zu Tode gekommenen Alexej Nawalny, sie zündet Kerzen an und hängt Plakate auf. Sie selbst hat ihre Hermes-Tasche mit einem durchgestrichenen Putin-Konterfei beklebt, geht sie aus, heftet sie sich große Abzeichen auf ihre Designerkleidung: „No Putin, No War“. Für ihren Überraschungsauftritt in Venedig packte Irina eine pinkfarbene Maske und schwarze Stiefel ein, zog sich heimlich um.

Denn: Eigentlich ist das Gelände erst am Samstag für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch die vermögende Russin buchte sich von München aus in eine exklusive Reisegruppe ein, die drei Tage früher die Möglichkeit bekam, die Ausstellung zu besuchen. So konnte sie überhaupt aufs Gelände. Ähnlich kamen auch die Frauen von Pussy Riot in die Giardini – mit teuren Pre-Show-Tickets.

Eingeweiht in die Aktion waren nur wenige. „Auch meinem Mann habe ich es nicht gesagt“, so Irina, die in engem Kontakt mit den russischen Aktivistinnen steht. Ein gefährliches Unterfangen, denn Pussy Riot gilt seit Ende vergangenen Jahres in Russland als kriminelle Vereinigung. Hat sie denn keine Angst? „Irgendwann legt man die Angst ab“, so Irina. „Selbst als sie mein Haus angezündet haben“. Angst lähme sie nur, aber sie will aufrütteln. „Russland verhöhnt uns mit dem Pavillon. Sie tanzen und singen und tun so, als wäre nichts.“ Die Frauen, mit Masken, Ukraine-Flaggen und teilweise mit blanken Brüsten, auf denen stand: Russland tötet, skandierten vor dem Pavillon: „Blood ist Russia‘s Art“ , also Blut ist Russlands Kunst.“MARIA ZSOLNAY

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