Rostfreie Rock-Ikonen

von Redaktion

Turnschuh-fit: Die Rolling Stones werben für ihr neues Album

Das Cover der neuen LP „Foreign Tongues“. © Universal

Launig in der Frühlingssonne: (v. li.) Keith Richards, Mick Jagger und Ronnie Wood. © XNY/Star Max/Getty Images

Rollende Steine setzen kein Moos an, sagt ein englisches Sprichwort. Und was würde besser passen zu diesen drei rüstigen Haudegen, die sich da den Weg ins „Weylin“-Theater in Brooklyn bahnen und mit der Frühlingssonne über New York um die Wette strahlen? Die Herren Mick Jagger (82), Keith Richards (82) und Ronnie Wood (78) stellen – nach Wochen der Geheimniskrämerei – das neue Rolling-Stones-Album „Foreign Tongues“ vor, das am 10. Juli erscheint. Turnschuh-fit und voller Tatendrang.

Klar, ein paar Wackler leisten sich auch die rostfreien Rock-Ikonen. Wood tänzelt unter dem Applaus der Party-Gäste in den Saal, stolpert dann, steht seinen Stunt aber noch. Und der ewig coole Richards wedelt später so arg mit seinem Mikro herum, dass von seinen Antworten kaum etwas zu verstehen ist und Moderator Conan O’Brien ihm irgendwann sein eigenes unter die Nase drückt.

Der Stimmung tut das keinen Abbruch. O’Brien kündigt die Weltstars mit einem Scherz an: „1962 taten sich ein paar junge Männer in London zusammen, in der Hoffnung, eines Tages ganz oben anzukommen. Leider kam dieser Tag nie, sie haben es nie ganz geschafft. Ich glaube, dieses Album wird das ändern. Nach Jahren des Schuftens und der Bedeutungslosigkeit, als Vorband für Gruppen wie Oingo Boingo, Bananarama und Frankie Goes to Hollywood – jetzt kommt ihre Stunde.“

Gags über das Alter verbieten sich bei den Rolling Stones eigentlich, aber es stimmt ja: Das Trio hat sich unverschämt gut gehalten. „Rough and Twisted“, das Lied, das sie neulich unter dem Pseudonym The Cockroaches herausbrachten, könnte ein Fundstück aus ihrer wüsten Zeit Anfang der Siebziger sein, so dreckig klingt der Rocker. Und im Video zum neuen Song „In the Stars“ – einem echt sonnigen Sommerhit – sieht Jagger sogar aus wie eine jüngere Version seiner selbst, wie er da neben der Schauspielerin Odessa A’zion tanzt. Die sitzt heute in der ersten Reihe, und als das Video auf der Leinwand gezeigt wird, herzt die 25-jährige Schönheit vor Aufregung den Kollegen Leonardo DiCaprio neben sich.

Wie schon bei „Hackney Diamonds“ von 2023 haben die Stones und Produzent Andrew Watt gerade mal vier Wochen für das Album gebraucht. „Früher haben wir monatelang im Studio gesessen und es nie verlassen“, sagt Jagger. Vier der 14 Songs stammen aus den alten Sessions, darunter „Hit me in the Head“, auf dem noch der 2021 verstorbene Ur-Stone Charlie Watts an den Drums zu hören ist. „Ein echter, schneller Punkrocker“, so beschreibt Jagger das Stück. Auch Paul McCartney ist wieder dabei – er spielte 2022 auf zwei Songs Bass, und nur einer wurde auf „Hackney Diamonds“ veröffentlicht. Richards erzählt, McCartney habe seinerzeit zufällig im Nebenstudio gearbeitet. „Paul wollte vorbeikommen und mit der Band spielen – er wollte diesen Haken setzen.“

Unverhofft kam auch Robert Smith, Sänger von The Cure, zu der Ehre. „Ich war eines Tages im Studio, und da stand dieser Typ mit dem Rücken zu mir, in einem langen Mantel“, erinnert sich Jagger. „Er drehte sich um – und hatte das Gesicht voller Make-up. Ich sagte: Ich habe Sie noch nie getroffen, aber Sie sind Robert Smith von The Cure. Er sagte: Ja! Ich sagte: Wo Sie schon mal hier sind, wollen wir was aufnehmen?“ Und so trug Smith Hintergrundgesang bei. Weitere Gäste sind Steve Winwood und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers.

Von Live-Shows ist allerdings auch diesmal nicht die Rede. Medienberichten zufolge will sich die Band eine Tournee in ihrem Alter nicht mehr antun. Also doch, das Alter. Die Fitness, die die drei vor sich hertragen, wäre ja schon fast unheimlich. Vielleicht liegt die einfach daran, dass die Stones „1968 viel mehr Drogen genommen haben als heute“, wie Jagger witzelt. Aber, versichert er: „Wir haben immer noch Spaß!“ Das glauben wir ihm aufs Wort.JOHANNES LÖHR

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